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Allgemeines über tropische Regenwälder
Tropenwälder, Regenwälder und tropische Regenwälder
Tropische Regenwälder sind immergrüne tropische Feuchtwälder, die im kontinentalen Tiefland in den Tropen vorkommen. Sie sind die tropischen Regenwälder im klassischen Sinn. Daneben gibt es noch weitere Tropen- und Regenwald-Typen, wie zum Beispiel Bergregenwälder, tropische Trockenwälder, Überschwemmungs- oder Auenwälder und Mosaikwälder. Primärwälder sind vom Menschen weitgehend unberührte Wälder.
Tropenwälder, tropische Wälder, Regenwälder, tropische Regenwäl-der, Urwälder, Dschungel – all diese Begriffe bezeichnen unterschiedliche Wälder. Aber was ist überhaupt ein Wald? Die Frage scheint vermeintlich einfach, und ist doch so schwer zu beantworten, weil es keine einheitliche Definition für „Wald“ gibt. Wissenschaft, Regierungsbehörden und Umweltschutzverbände nutzen 488 verschiedene Definitionen für natürliche und naturnahe Wälder (Savilaakso u. a. 2023). Die Vielfalt der Definitionen entsteht, weil diese Institutionen unterschiedliche Kriterien anlegen, von denen die meisten struktureller und funktionaler Natur sind. Oft geht es also darum, wie ein Wald aussieht oder welche Funktionen er erfüllt. Weitere wichtige Kriterien sind die Unversehrtheit von Wäldern und die Waldbedeckung, die insbesondere im Zusammenhang mit Regenwaldzerstörung und Klimawandel genannt werden.
Häufig zitiert und oft genutzt wird die Definition der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die FAO hat physische Kriterien aufgestellt, wonach ein Wald definiert ist als eine Fläche von mehr als 0,5 Hektar (5.000 Quadratmeter) mit über fünf Meter hohen Bäumen und einem Kronendach, das mehr als 10 Prozent der Fläche abdeckt (FAO 2011). Diese physischen Kriterien kombiniert die FAO mit Kriterien zur vorherrschenden Landnutzung auf dieser Fläche, wobei von Bäumen bedeckte Gebiete ausgeschlossen werden, die vornehmlich landwirtschaftlich oder städtisch genutzt werden. Daher schließt die Walddefinition der FAO zwar Plantagen landwirtschaftlicher Baumkulturen (wie Ölpalmenplantagen und Obstplantagen) sowie städtische Parks aus, jedoch verschiedene Arten von bepflanzten Wäldern (einschließlich Kautschukplantagen) ein.

Tropenwälder
Tropenwälder werden geografisch über den Breitengrad ihres Standorts definiert: Sie liegen in den Tropen, die sich definitionsgemäß um den Äquator zwischen den Wendekreisen des Krebses im Norden bei 23°27′ nördlicher Breite und des Steinbocks im Süden bei 23°27′ südlicher Breite befinden. Zu den Tropenwäldern gehören:
- Immergrüne tropische Feuchtwälder
66 Prozent der Tropenwälder sind immergrüne tropische Feuchtwälder, das sind die klassischen tropischen Regenwälder. Ihr Anteil ist in Amazonien mit 73 Prozen am größten. - Mosaikwälder
20 Prozent sind Mosaikwälder, die eine Mischung aus Wald und anderen Landnutzungsformen (zum Beispiel Viehweiden, Plantagen, Straßen, Siedlungen) sind, in dem die Waldstücke zerstückelt und nur schwer zu klassifizieren sind. Mosaikwälder kommen mit 33 Prozent am häufigsten in Südost-Asien vor. - Tropische Trockenwälder
Neun Prozent der Tropenwälder werden als tropische Trockenwälder klassifiziert. Wegen der ausgeprägten Trockenzeit sind viele Baumarten laubabwerfend und verlieren zu Beginn der Trockenzeit ihre Blätter, um den Wasserverlust zu verringern. Die meisten tropischen Trockenwälder gibt es mit 23 Prozent im Kongo-Becken. - Überschwemmungs- oder Auenwälder
Fünf Prozent der Tropenwälder werden als Überschwemmungs- oder Auenwälder eingestuft. Ihnen werden auch Mangrovenwälder zugeordnet. Auenwälder säumen Seen, Flüsse, Bäche, Sümpfe, Flussmündungen und sind häufig Überschwemmungen ausgesetzt. Sie sind mit sechs Prozent am häufigsten in Südost-Asien anzutreffen.

Regenwälder
Im Gegensatz zu Tropenwäldern werden Regenwälder nicht geografisch durch den Breitengrad, sondern durch die Niederschlagsmenge und das Klima an ihrem Standort definiert. Damit Regenwälder entstehen können, muss es etwa drei Mal so viel regnen wie in Berlin, das heißt, die jährlichen Niederschlagsmengen erreichen wenigstens 2.000 Millimeter. Das ist häufig in den Tropen der Fall, in denen sich deswegen die meisten Regenwälder befinden. Regenwälder in den Tropen werden tropische Regenwälder genannt. Es gibt aber auch Regenwälder außerhalb der Tropen, zum Beispiel in Australien oder in Nordamerika. Das sind dann die Regenwälder der gemäßigten Breiten oder kurz die gemäßigten oder temperierten Regenwälder.
Tropische Regenwälder
Tropische Regenwälder erfüllen sowohl das Standortkriterium für Tropenwälder, als auch das Niederschlagskriterium für Regenwälder. Zusätzlich muss das Klima an ihrem Standort das ganze Jahr frostfrei, feucht und warm sein, mit wenig schwankenden Temperaturen von etwa 23°C bis 27°C im Jahresverlauf. In den Tropen gibt es keine Jahreszeiten wie in den gemäßigten Breiten, sondern eine Regen- und eine Trockenzeit, die sich durch die täglichen Niederschlagsmengen ganz erheblich unterscheiden. Diese klimatischen Bedingungen ermöglichen, dass immergrüne tropische Feuchtwälder entstehen können – sie sind die tropischen Regenwälder im klassischen Sinn. Gelegentlich wird auch der Begriff „tropische Tieflandregenwälder“ verwendet, was daran liegt, dass das feuchtwarme Klima vorwiegend in Tieflandregionen der Kontinente in den Tropen vorherrscht. Tropische Regenwälder sind also immergrüne tropische Feuchtwälder, die im kontinentalen Tiefland in den Tropen vorkommen.
Es gibt drei große Regenwaldregionen auf der Erde, das sind Amazonien, das Kongo-Becken und Südost-Asien. Zusammen bilden sie am Äquator den weltumspannenden Lebensraum „tropischer Regenwald“, dessen tiefes Grün sich auf Satellitenbildern deutlich vom Beige und Braun der umgebenden Savannen und Wüsten unterscheidet. Die Welternährungsorganisation schätzt die Waldfläche in den drei großen Regenwaldregionen auf 13,4 Millionen km2, wovon 8,8 Millionen km2 den tropischen Regenwäldern zugeordnet werden (FAO, 2011).
Dschungel
Wenn das Kronendach eines Regenwalds zerstört oder ausgedünnt wird, kann Sonnenlicht bis auf den Urwaldboden gelangen. Vom Schattendasein am Urwaldboden befreit, nutzen schnell wachsende Pflanzen, wie zum Beispiel Lianen und Sträucher, die Gelegenheit um zu wachsen. Dabei bilden sie ein dichtes und und undurchdringliches Pflanzendickicht, das umgangssprachlich „Dschungel“ genannt wird. Das Wort ist abgeleitet vom Sanskrit-Wort jaṅgala, was so viel bedeutet wie rau und trocken.
Bergregenwälder
Beim Übergang vom tropischen Tiefland in das tropische Bergland gehen die Tieflandregenwälder schrittweise in Bergregenwälder über. Der Wechsel scheint weitgehend durch die Temperatur gesteuert zu werden. Sobald die durchschnittliche Temperatur höhenbedingt unter 18°C fällt, werden viele Baumarten des Tieflands durch Arten verdrängt, die an das Leben in Bergregionen angepasst sind. Die imposanten Bäume aus den mehrstöckigen Tieflandregenwäldern weichen schrittweise weniger hohen Bäumen. Zudem verlieren die Bäume stützende Strukturen wie Stelz-, Stütz- oder Brettwurzeln. Die Stämme und Zweige der Bäume werden knorriger, die Baumkronen kompakter, und die Blätter kleiner, dicker und härter. Holzige Kletterpflanzen wie Lianen verschwinden, hingegen werden Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) wie Orchideen, Farne, Bromelien und insbesondere Moose mit zunehmender Höhe zahlreicher.



Für tropische Bergregenwälder gibt es keine einheitliche Definition. Eine Einteilung kann wie folgt vorgenommen werden, wobei der Bewuchs der Bäume mit Moosen mit der Höhe zunimmt:
- Untere Bergregenwälder
Höhen ab 1.200 Metern, gegebenenfalls weniger; Baumhöhen 15 bis 35 Meter; zwei- bis dreistöckige Vegetation; reicher Bewuchs mit Epiphyten; Beginn der Wolkenbildung; 10% Moosbewuchs an den Stämmen. - Obere Bergregenwälder
Höhen ab 2.000 Metern, gegebenenfalls mehr; Baumhöhen 2 bis 20 Meter; starke Wolkenbildung; Unterteilung in untere Bergnebelwälder mit 25 bis 50% Moosbewuchs an den Stämmen und obere Bergnebelwälder mit 70 bis 80% Moosbewuchs an den Stämmen. - Subalpine Bergnebelwälder
Höhe ab 2.800 Metern, bis 3.900 Meter; durchschnittliche Temperatur höhenbedingt weniger als 10°C; extrem niedrig wachsende Bäume; wenige Epiphyten; viel Nebel und Wolken und deswegen auch viel Moosbewuchs an den Stämmen.
Tropische Bergregenwälder sind meist sehr artenreich und werden deshalb als Hotspots der Artenvielfalt betrachtet. Die Niederschlagsmengen in Bergregenwäldern sind üblicherweise höher als in Tieflandregenwäldern. Bergregenwälder gibt es hauptsächlich in Mittel- und Südamerika und Südostasien. Insbesondere die östliche Andenregion ist einer der wichtigsten Hotspots der Artenvielfalt. Vereinzelt gibt es Bergregenwälder auch in Afrika.
Zwergenwälder
Extrem niedrig wachsende Bergregenwälder werden auch als Elfen- oder Zwergenwälder bezeichnet. Ihre Bäume erreichen Höhen von maximal zehn Metern.
Primärwälder
Vom Menschen weitgehend unberührte Wälder mit ihrer ursprünglichen Artenvielfalt werden als Primärwälder bezeichnet. Es handelt sich dabei aber nicht um unberührte Wildnis, denn in Wahrheit sind auch Primärwälder von Natur aus bewohnt. Menschen leben seit Tausenden von Jahren in tropischen Regenwäldern. Beispielsweise erstrecken sich die Gebiete der indigenen Völker über 35% der Fläche Amazoniens. Lokale Gemeinschaften haben im Laufe der Zeit die Struktur der Wälder tiefgreifend beeinflusst. Weil die Menschen im Einklang mit den Wäldern leben, sind die Entwaldungsraten allerdings viel geringer.

Die tropischen Regenwälder in den drei großen Regenwaldregionen (Amazonien in Südamerika, das Kongo-Becken in Afrika und Südost-Asien) umfassen mehr als die Hälfte aller weltweit vorkommenden Primärwälder, es sind die artenreichsten und vielfältigsten terrestrischen Ökosysteme der Erde. Wie die obige Abbildung zeigt, gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den drei Regenwaldregionen was das Vorkommen von Primärwäldern betrifft.



www-Tipps
- Verein für Mangrovenschutz e.V.
- The State of Forests in the Amazon Basin, Congo Basin and Southeast Asia. FAO, Rom, 2011.
- The Tropical Mountain Forest. Universitätsverlag Göttingen, 2008.
Referenzen
- Savilaakso, S. u. a.: Whose perspective counts? A critical look at de-finitions of terms used for natural and near-natural forests. One Earth 6 (2023).
- Slik, J. W. F. u. a.: Phylogenetic classification of the world’s tropical forests. PNAS 115 (2018).
- Bruijnzeel, L. A.: Tropical montane cloud forest: a unique hydrological case. Forests, Water and People in the Humid Tropics (2005).