Kategorie: Meinung

Meinungen und Kommentare

Buchvorstellung: „Warum braucht der Eisbär den Regenwald?“

Eisbär und Regenwald werden sich nie begegnen. Zwischen klirrender Kälte und tropischer Hitze liegen Tausende Kilometer, eisige Ozeane und Kontinente. Und doch hängt das Überleben des einen direkt vom Schutz des anderen ab. Im Klimasystem der Erde gibt es keine Grenzen. Was in den Tropen passiert, bleibt nicht in den Tropen, was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis. Wenn im Regenwald die Kettensägen dröhnen und gigantische Kohlenstoffspeicher in Flammen aufgehen, schmilzt dem Eisbären das Eis unter den Tatzen weg. Wenn das Eis in der Arktis schmilzt, werden in den Tropen aus faszinierenden Regenwäldern trockene Savannen. Alles hängt mit allem zusammen. Dieses Buch erklärt, warum tropische Regenwälder als Klimaanlage der Erde für das Überleben des Eisbären in der Arktis wichtig sind – und umgekehrt.

Warum braucht der Eisbär den Regenwald?
Tropische Regenwälder im Klimafokus
Dr. Tom Deutschle
Verlag: epubli
ISBN: 978-3-565500-62-8
Erscheinungsdatum: 17.06.2026
Seiten: 157 (Softcover)
Verkaufspreis: 16,99 €

Seit knapp 30 Jahren betreibe ich das Regenwald-Portal www.faszination-regenwald.de. Ich bin Diplom-Biologe und war mehrfach in tropischen Regenwälder in Südamerika und Südost-Asien unterwegs. Mein Ziel mit dem Regenwald-Portal ist es, so breit wie möglich über die faszinierenden Wälder am Äquator zu informieren. Insbesondere Schülerinnen und Schüler nutzen das Portal sehr gern, sei es für Hausaufgaben, Referate oder Facharbeiten.

Im Zusammenhang mit dem Klimawandel werden tropische Regenwälder häufig als „Klimaanlage der Erde“ bezeichnet. Dieser Begriff hat mich dazu inspiriert, das vorliegende Buch zu schreiben. Ich wollte wissen, was es mit dieser Klimaanlage tatsächlich auf sich hat. Dabei wurde mir schnell klar, dass die tropischen Regenwälder nicht isoliert betrachtet werden dürfen; sie sind eingebettet in das Klimasystem der Erde, zusammen mit Atmosphäre, Ozeanen, Meeresströmungen, Eisschilden, tropischem Regengürtel usw. Das Thema ist beliebig kompliziert, ich hoffe trotzdem, Ihnen einen spannenden Einblick geben zu können.

Jagd auf geschützte Tiere – Artenschutz aus Sicht der Regierungspartei FDP

Ende April 2022 bin ich in zahlreichen deutschen Medien auf einen Artikel aufmerksam geworden, wonach das Bundesumweltministerium (BMU) den Import von Jagdtrophäen geschützter Arten nach Deutschland weiter einschränken wolle. In Einzelfällen solle der Import von Jagdtrophäen sogar vollständig verboten werden, sofern Zweifel an der Nachhaltigkeit und Legalität der Jagd bestünden.

Jagdtrophäen geschützter Arten? Nachhaltigkeit der Jagd? Das passt für mich irgendwie nicht zusammen, weswegen ich eine kleine Recherche durchgeführt habe. Dabei bin ich auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten“ (Bundestagsdrucksache 19/26760) gestoßen. Die Anfrage wurde von den Abgeordneten Steffi Lemke (heute Bundesumweltministerin), Lisa Badum, Dr. Bettina Hoffmann sowie weiterer Abgeordneter der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gestellt. Im Anhang 1 der Antwort ist die Anzahl der Einfuhren von Jagdtrophäen nach Deutschland im Zeitraum 2018 bis 2020 detailliert aufgelistet. Darunter finden sich streng geschützte Tierarten wie der Braunbär (Ursus arctos) mit 88 Einfuhren im genannten Zeitraum, der Leopard (Panthera pardus) mit 65 Einfuhren, der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) mit 52 Einfuhren und sogar der Eisbär (Ursus maritimus) mit 6 Einfuhren. Das bedeutet nichts anderes, als dass streng geschützte Tiere in ihren Lebensräumen weltweit zum Spaß von Jagdtouristen getötet und legal als Trophäe nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Dabei ist gerade bei diesen Arten jedes Individuum wichtig, um den Genpool der Arten so groß und vielfältig wie möglich zu halten, wodurch ihr Fortbestand gesichert wird.

Kommentiert wurde der Vorstoß des Bundesumweltministeriums zur Einschränkung des Imports von Jagdtrophäen geschützter Arten nach Deutschland auch von der derzeitigen Regierungspartei FDP. Der jagdpolitische Sprecher der FDP, Karlheinz Busen, erklärte in der FAZ vom 30.04.2022, dass zur Trophäenjagd im Koalitionsvertrag bewusst keine Regelung getroffen worden sei. Jagd sei gelebter Natur- und Artenschutz. Jagdreisen stärken das Bewusstsein für gesunde Wildbestände in anderen Ländern und brächten zudem mehr Wohlstand. Daher sei der Vorschlag eines Verbots oder einer Einschränkung der Trophäenjagd kontraproduktiv und würde nicht umgesetzt. Laut der FDP ist Jagd auf geschützte Wildtiere also „gelebter Natur- und Artenschutz“ – das ist Quatsch. Der Internationale Jagdrat in Deutschland und der Deutsche Jagdverband springen der FDP bei oder besser umgekehrt, die FDP springt den Interessen der deutschen Jagdverbände bei. Deren Argumente, dass die Trophäenjagd mit Naturschutz oder der Unterstützung der Menschen und lokalen Gemeinschaften in den Herkunftsländern begründet werden könne, sind reine Märchen. Nachhaltig wäre beispielsweise ein sanfter Beobachtungs- oder Fototourismus, wie er bei den Berggorillas in Afrika seit langem erfolgreich praktiziert wird.

Dass eine Partei in Deutschland die Interessen ihrer Wähler vertritt, ist natürlich richtig und völlig normal. Insofern ist die Lobbyarbeit der FDP für die deutschen Jagdinteressen nicht ungewöhnlich. Was mich daran ärgert ist die heuchlerische Argumentation, die den Natur- und Artenschutz und das Wohl der Menschen in den Herkunftsländern in den Vordergrund schiebt, um weiterhin fröhlich dem Jagdtourismus frönen zu können. Mir wäre es lieber, die FDP würde sich hier klar positionieren im Sinne von, ja, wir finden es gut, dass unsere Wähler weiterhin aus Spaß geschützte Tiere töten.

Übrigens – die FDP geht in ihrem Wahlprogramm aus dem Jahr 2021 auf das Thema Artenvielfalt und Artensterben ein und zwar wie folgt:

„Artensterben verhindern – Artenschutz bei uns und weltweit: Wir Freie Demokraten wollen das Artensterben bestmöglich verhindern. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine Menschheitsaufgabe und eine ethische Verpflichtung. Er ist zugleich ökologisch, ökonomisch und medizinisch sinnvoll und notwendig. Unzählige wichtige Errungenschaften, zum Beispiel in der Technik und Medizin, kommen aus der Natur. Zudem sind invasive Neophyten für Ökosysteme und den Menschen eine Bedrohung, die durch die Globalisierung immer größer wird. Wir müssen unsere Ökosysteme vor dem Eindringen dieser fremden Arten effektiv schützen, um die heimische Artenvielfalt zu erhalten.“

Quellen

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/umweltministerium-will-jagdtrophaeen-import-einschraenken-17996311.html

https://www.hsi.org/wp-content/uploads/2021/06/HSI_Trophaenjagd-in-Zahlen_Die-Bedeutung-der-Europaischen-Union-bei-der-Trophaenjagd-im-globalen-Kontext.pdf

https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Artenschutz/hintergrundpapier_jagdtrophaen_bf.pdf

https://dserver.bundestag.de/btd/19/273/1927306.pdf

https://www.fdp.de/forderung/artensterben-verhinden-artenschutz-bei-uns-und-weltweit