Faszination Regenwald

Bild Bromelien

Bromelien – Mikroteiche im Kronendach

Um der Finsternis auf dem Urwaldboden zu entgehen, benutzen Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) Bäume als Träger und besiedeln deren Stämme bzw. Äste im Kronendach. Dort gibt es keinen Lichtmangel. Aber wie gelangen die Epiphyten in luftiger Höhe trotzdem an Wasser und Nährstoffe?

Kleine Teiche im Kronendach

Die Bromelien (Ananasgewächse) kommen fast ausschließlich in Mittel- und Südamerika vor. Sie haben ihre ganz eigene Strategie entwickelt. Weil sie nicht im Boden wurzeln können, formen deren Blätter einen Trichter (Mikroteiche), in dem sich Regenwasser und Humusreste ansammeln. Eine große Bromelie kann so bis zu zehn Liter Wasser speichern. Der Wirtsbaum wird dadurch nicht geschädigt

In die Mikroteiche wachsen dann die eigenen feinen Wurzeln (Trichome) ein. Doch nicht nur die Wurzeln der Bromelien finden sich im Trichter wieder.

Jeder der Trichter bildet in Höhen von bis zu 60 Metern einen Mikrokosmos. Pflanzen zersetzende Bakterien, Einzeller und Würmer bilden das erste Glied der Nahrungskette im Trichter. Diese werden von Mückenlarven und anderen Kleinstlebewesen gefressen, die ihrerseits wiederum von Wasserinsekten, Kaulquappen und Fröschen erbeutet werden. Bis zu 250 verschiedene Tierarten halten sich in einer Bromelie auf.

Schließlich besuchen Vögel, Reptilien und kleine Säuger die Mikroteiche. Mit ihren Exkrementen „düngen“ sie die Bromelien - der Nährstoffkreislauf schließt sich wieder. Die Mikroteiche der Bromelien sind ein klassisches Beispiel für die komplexen ökologischen Interaktionen in tropischen Regenwäldern.

Bild: Aufsitzerpflanzen 1 Bild: Aufsitzerpflanzen 2 Bild: Bromelie

Oben und Mitte: Aufsitzerpflanzen (Französisch-Guayana, 2004); unten: Bromelie im Botanischen Garten Hamburg (2010)

Krabben im Bromelienteich

Auf Jamaika leben kleine Krabben (Bromelienkrabbe Metopaulias depressus, Körpergröße etwa 1 bis 3 Zentimeter) in den Blattrichtern von Bromelien im Kronendach des Regenwalds. Das ist um so erstaunlicher, als die Vorfahren der Krabben noch im Meer gelebt haben. Welchen Vorteil bringt das Leben hoch oben in den Baumkronen? Vermutlich der Schutz vor Fressfeinden. Der Nachwuchs der Krabben kommt in den Bromelien zur Welt, wobei sich die Krabben-Mutter fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmert. Sie säubert das Wasser in der Bromelie, verteidigt die Jungen gegen räuberische Tausendfüßler und anderes Getier, und sie sammelt Schneckenhäuser aus Kalk um das saure Wasser zu neutralisieren.

Pfeilgiftfrösche und Bromelien

Die Weibchen des mittelamerikanischen Pfeilgiftfroschs Dendrobates pumilio transportieren ihre Larven auf dem Rücken einzeln in Bromelientrichter im Kronendach. Alle zwei bis drei Tage besucht das Weibchen die Kaulquappen und legt unbefruchtete Eier in die Bromelientrichter. Die Eier dienen den Larven als Nahrung während der ersten Entwicklungsstadien, weil es in den Bromelientrichtern zu Nahrungsmangel kommen kann.

Bild: Pfeilgiftfrosch in Bromelie Bild: Pfeilgiftfrosch 1 Bild: Pfeilgiftfrosch 2

Pfeilgiftfrösche in Französisch-Guayana, 2004. Oben: Diesen kleinen Pfeilgiftfrosch (Dendrobates ventrimaculatus) haben wir im Blatt-Trichter einer Bromelie entdeckt. Der nur etwa zwei Zentimeter kleine Frosch legt seine Eier in die Mikroteiche der Bromelien. Immer wenn wir Kaulquappen in Bromelien gefunden haben, war ein Elternteil nicht fern. Mitte: Dendrobates tinctorius. Unten: Epipedobates femoralis.

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