Faszination Regenwald

Bild Ökosystem Regenwald

Wasserwelten

Der tropische Regenwald in Amazonien macht sich seinen eigenen Regen – und zwar bis zu drei Viertel. Den Rest der Niederschläge, nämlich nur ein Viertel, liefert der Atlantische Ozean. Wie kommt es zu dieser erstaunlichen Wasserbilanz? Es sind zwei Regensysteme, die die immergrünen Tieflandregenwälder von Amazonien mit Wasser versorgen: der kleine und der große Wasserkreislauf.

Der kleine Wasserkreislauf – schwitzende Urwaldriesen

Die fast senkrecht stehende Sonne setzt in den Tropen wahrhaft gigantische Energiemengen frei, es ist feucht und warm. Die Urwaldriesen nehmen Wasser aus dem Boden über ihre Wurzeln auf und transportieren es in die luftigen Höhen der Baumwipfel. Dort geben sie das Wasser über ihre Blätter ab, das Wasser verdunstet, schließlich bildet sich ein Meer aus Wolken, und es beginnt zu regnen. Am Boden angekommen nehmen die Bäume das Wasser über ihre Wurzeln wieder auf, der Kreislauf beginnt von neuem. Etwa drei Viertel seines Wasserhaushalts bestreitet der Regenwald über diesen kleinen Wasserkreislauf.

Wenn es bei uns im Sommer warm ist, beginnen wir zu schwitzen. Der Schweiß kühlt unsere Haut und schützt unseren Körper vor Überhitzung. Die Urwaldriesen machen sich diesen Effekt gleichfalls zunutze, indem sie Wasser über ihre Blätter verdunsten und sich so vor Überhitzung durch die starke Sonneneinstrahlung schützen. Gewissermaßen betreiben schwitzende Urwaldriesen den kleinen Wasserkreislauf im tropischen Regenwald, ein Kreislauf des Lebens.

Bild: Wasserkreislauf

Der kleine Wasserkreislauf in Amazonien: Rund ein Viertel des Wassers wird von den Passatwinden nach Amazonien gebracht. Das ist in etwa die Menge, die über die Flüsse auch wieder abfließt. Drei Viertel des Wassers zirkuieren ständig (verändert nach Josef H. Reichholf, Der Tropische Regenwald, 2010).

Die Zirkulation des Wassers im kleinen Wasserkreislauf funktioniert nur dort, wo noch genügend große und vor allem zusammenhängende Regenwaldflächen existieren. Verschwindet der Regenwald durch Abholzung und Brandrodung für Weideland und Sojafelder, dann ist es fraglich, ob dieser überhaupt noch eine Chance zum Überleben hat.

Der große Wasserkreislauf

Die Passatwinde tragen nicht nur Nährstoffe aus der Sahara auf den südamerikanischen Kontinent, sondern auch Wasser. Der große Wasserkreislauf beginnt über dem Atlantischen Ozean. Hier verdunstet Wasser in großen Mengen, das vom Passat nach Amazonien transportiert wird. Dort angekommen bilden sich Wolken und es gibt Niederschläge. Über die Flüsse wird das Wasser dann wieder dem Ozean zugeführt. Der Kreislauf ist geschlossen.

Etwa ein Viertel trägt der große Kreislauf zur Wasserbilanz in Amazonien bei. Das ist in etwa dieselbe Menge, die Amazonien über den Amazonas wieder verlässt. Das heißt, der kleine Wasserkreislauf wälzt, rein mengenmäßig betrachtet, viel größere Wassermengen um als der große Kreislauf. Allerdings hat dieser größere geographische Distanzen zu überwinden.

Tropische Regenwälder und Klima

Die durch Verdunstung über den tropischen Regenwäldern gebildete Wolkendecke wirkt wie ein gigantischer Sonnenschirm, die verhindert, dass die starke Sonneneinstrahlung die Landmassen im Tropengürtel zu stark aufheizt und letztlich austrocknet. Auf diese Weise üben Regenwälder auch einen Einfluss auf das globale Klima aus. Die tropischen Regenwälder sind eine Klimaanlage für den Planeten.

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