Faszination Regenwald

Bild Ökosystem Regenwald

Boden & Humus im tropischen Regenwald

Tropische Regenwälder wachsen auf verschiedenen Böden. Am bekanntesten sind sicher die nährstoffarmen Böden Amazoniens mit ihrer typischen gelben bis roten Färbung. Wenn diese Böden so nährstoffarm sind, woher nehmen dann die Pflanzen ihre Nährstoffe? Grundsätzlich brauchen Pflanzen zum Wachsen Kohlendioxid und Sauerstoff aus der Luft, Wasser und etwa 13 lebensnotwendige Nährstoffe aus dem Boden. Zwei Gruppen lebensnotwendiger Nährstoffe werden unterschieden:

  • Makronährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium,
  • Mikronährstoffe (Spurenelemente) wie beispielsweise Bor, Kobalt oder Molybdän.

In den meisten tropischen Böden mangelt es an einzelnen Nährstoffen, zumeist an Phosphor.

Boden

Doch wie entsteht eigentlich ein Boden? Boden entsteht in einem Jahrmillionen dauernden Prozess, wenn Gestein verwittert. Das heißt, Wärme und Feuchtigkeit fördern chemische Reaktionen, die dazu führen, dass das ursprünglich feste Gestein aufgelöst wird und sich daraus feine Partikel bilden: Das ist der Boden. Verrotten zeitgleich Überreste von Pflanzen und Tieren an der Oberfläche, dann reichert sich zusätzlich organisches Material im Boden an.

Bild: Dünne Humusschicht

Dünne Humusschicht: Auf diesem Bild sieht man sehr gut, dass die Wurzeln der Bäume sehr dicht unter der Oberfläche verlaufen und nicht weit in das Erdreich vordringen. Die Humusschicht - in unseren Breiten wenigstens 30 Zentimeter dick - ist sehr dünn und kaum zu erkennen. Die rote Farbe des Bodens deutet auf einen hohen Anteil an Eisen- und Aluminiumoxid (Laterit) hin.

Das Bild oben zeigt ein typisches Bodenprofil der feuchten Tropen mit einem sehr dünnen organischen Oberboden (Humusschicht) und einem darunter liegenden Unterboden (Mineralboden). Die rote Farbe des Mineralbodens deutet auf einen hohen Anteil an Eisen- und Aluminiumoxid (Laterit) hin.

Humus

Humus (lateinisch für Erde, Boden) ist die Bezeichnung für die organischen Bestandteile in und auf dem Boden. Zur Humusbildung tragen Regenwürmer, Milben und Bakterien bei, die die Tier- und Pflanzenreste mikroskopisch klein zersetzen. Die Humusschicht ist ein Teil des Bodens.

Während der organischen Zersetzung werden Mineralstoffe freigesetzt, wie zum Beispiel Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium. Diese Mineralstoffe reichern sich im Humus an und dienen den nachwachsenden Pflanzen als natürlicher Dünger.

Weshalb ist die Humusschicht im Regenwald so dünn?

In unseren Breiten dauert es oftmals Jahre bis organisches Material auf dem Waldboden vollständig verrottet. Warum? Bei uns kann organisches Material nicht das ganze Jahr über verrotten, weil die Geschwindigkeit, mit der organisches Material auf dem Boden verrottet, abhängig ist von der Temperatur. Und die Temperaturen sind bei uns im Winter einfach zu niedrig. Das führt dazu, dass im Laufe der Zeit (hauptsächlich im Herbst) die Humusschicht aus nicht vollständig verrottendem organischem Material immer dicker wird.

Kurz: Die Jahreszeiten verhindern, dass der Prozess der Verrottung ganzjährig unter gleich bleibenden (idealen) Bedingungen stattfinden kann. Im Winter verrottet bei uns nichts, es ist Pause. Und irgendwann entsteht so nährstoffreiche Erde. In der Erde werden wasserlösliche Nährstoffe zurückgehalten, die dann von Pflanzen über deren Wurzeln aufgenommen werden können.

Viele tropische Regenwälder kennzeichnet eine nur wenige Millimeter dicke Humusschicht. In den Tropen verrottet organisches Material auf dem Boden viel schneller als bei uns, weil die Temperaturen das ganze Jahr über gleich bleibend hoch sind. Hohe Temperaturen und Niederschlagsmengen führen dazu, dass organisches Material auf dem Boden pausenlos und rasend schnell von Kleintieren und Mikroorganismen zersetzt wird. Es bleibt keine Zeit, dass sich nicht verrottetes organisches Material auf dem Urwaldboden anreichert, wie es bei uns im Winter geschieht.

Kleintiere & Mikroorganismen

Regenwürmer, Termiten, Ameisen, Käferlarven, Asseln, Hundert- und Tausendfüßer gehören zu den Kleintieren die organisches Material am und im Boden abbauen. Was Kleintiere nicht abzubauen vermögen, wird von Mikroorganismen übernommen. Dazu gehören Bakterien und Pilze.

Warum sind tropische Böden oft nährstoffarm?

Wer die überwältigende Fülle eines tropischen Regenwalds gesehen hat, mag glauben, dass diese auf sehr fruchtbaren Böden stünden. Dem ist aber nicht so. Die Mineralböden vieler Tropenwälder enthalten fast keine Nährstoffe, die von den Wurzeln der Bäume aufgenommen werden könnten. Woran liegt das? Seit Jahrmillionen waschen die leicht sauren Niederschläge die Nährstoffe aus den Böden aus. Zurück bleiben die unlöslichen Bestandteile des verwitterten Gesteins. In vielen tropischen Regenwäldern sind die Nährstoffe in den Pflanzen gespeichert und werden effizient wiederverwertet – ein fast perfekter Stoffkreislauf.

Holzfresser

Für viele Kleinlebewesen ist Holz kein verwertbares organisches Material, da sie die wichtigsten Holzbestandteile Zellulose und Lignin nicht verdauen können. Termiten haben sich auf Holz spezialisiert, sie sind die wohl bekanntesten Holzfresser in den Tropen. Für viele Arten ist Holz Wohnung und Nahrung zugleich. Dabei nutzen die mit den Schaben verwandten Insekten auch die Vorarbeit von Pilzen.

Pilze sind die großen Entsorger, sie spielen eine große Rolle bei jeglicher Art von Zersetzung im tropischen Regenwald. Mit dichten Geflechten aus dünnen weißlichen Fäden durchziehen sie alles abgestorbene organische Material, zersetzen es und nehmen die frei werdenden Nährstoffe auf. Holz gehört dabei zu ihren Spezialitäten.

Schimmel

Alles was wir in unserem Camp im Tieflandregenwald von Französisch-Guayana nicht trocken halten konnten, begann früher oder später zu schimmeln. Taschen, Schuhe, Kleidung, Seile, Objektive und Kameras, Computer etc.

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