Info-Center
Tropische Regenwälder im Klimafokus
Regenwälder im Tropenfieber – Teil 2
Amazonien bewegt sich aktuell knapp an der Grenze von der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle. Der Klimawandel kann die tropischen Regenwälder Amazoniens in Savannen verwandeln. Im Kongo-Becken sind die Wälder zwar robuster als die in Amazonien, gegen Axt und Kettensäge kommen aber auch sie nicht an. Die tropischen Regenwälder Südost-Asiens sind bereits zu einer Kohlenstoffquelle geworden.
Die Auswertung der Daten aus der GFW-Überwachung für die drei großen Regenwaldregionen zeigt, wie komplex die Zusammenhänge sind (Harris u. a. 2021).
Amazonien
Demnach war der brasilianische Teil Amazoniens in den Jahren 2001 bis 2019 bereits eine Kohlenstoffquelle mit durchschnittlichen Netto-Emissionen von jährlich 0,22 Gt CO2. Neben Brasilien verfügen in Amazonien acht weitere Länder über tropische Regenwälder auf ihrem Staatsgebiet. Werden diese dem Kohlenstofffluss hinzugerechnet, ergaben sich negative Netto-Emissionen von -0,10 Gt CO2 pro Jahr, das heißt, insgesamt gesehen, ist Amazonien noch knapp eine Kohlenstoffsenke, lediglich der brasilianische Teil ist zur Quelle von Kohlenstoff geworden

Die Zerstörung der tropischen Regenwälder vernichtet aber nicht nur deren einmalige und üppige Artenvielfalt, sondern droht auch wichtige Klimafunktionen zu destabilisieren (Lawrence u. a. 2022). In Amazonien wurden bereits 18 Prozent der tropischen Regenwälder zerstört und im Wesentlichen durch Weideland für die Rinderhaltung und Ackerland für den Sojaanbau ersetzt. Wo die Wälder verschwinden oder fragmentiert werden, fehlt das dichte, geschlossene Kronendach, über das intakte tropische Regenwälder ihren eigenen Regen erzeugen. Dadurch wird der lokale (kleine) Wasserkreislauf gestört, weil degradiertes Weideland in der Trockenzeit viel weniger Wasser über Evapotranspiration verdunstet als intakte tropische Regenwälder (Maeda u. a. 2021).
In den Jahren 2002 bis 2015 wurden 3,2 Prozent der tropischen Regenwälder in den brasilianischen Bundesstaaten Rondônia und Mato Grosso im südlichen Teil Amazoniens zerstört, was die Evapotranspiration um 3,5 Prozent und die Niederschlagsmenge um 5,4 Prozent verringert hat (Liu u. a. 2025). Überraschenderweise nehmen die lokalen Niederschlagsmengen in ausgedehnten Waldgebieten mit kleinen entwaldeten Flächen von weniger als zehn Quadratkilometern zu, weil die Wolkenbildung begünstigt und die konvektive Energie erhöht wird (Khanna u. a. 2017). Mit zunehmendem Ausmaß der Entwaldung schwächt sich diese thermisch angetriebene atmosphärische Zirkulation jedoch ab, was zu einer Verringerung der Niederschläge führt. Und das hat Auswirkungen weit über die Region hinaus.
Kohlenstoffsenke und Kohlenstoffquellen
In ihrem natürlichen Gleichgewicht sind intakte tropische Regenwälder eine Kohlenstoffsenke. Das heißt, sie nehmen in der Summe mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, als dass sie abgeben. Bei Kohlenstoffquellen ist es umgekehrt.
Der südamerikanische Monsun wird verzögert, was zu noch weniger Niederschlägen in der Region führt, es wird wärmer, trockener, und Dürren werden intensiver (Bochow und Boers 2023). Die tropischen Regenwälder im südöstlichen Teil Amazoniens könnten deswegen bereits die kritische Schwelle (Kipppunkt) von einer Kohlenstoffsenke zu einer schwachen Kohlenstoffquelle überschritten haben (Gatti u. a. 2021).
Ältere Prognosen gehen von einem Kipppunkt aus, der eintritt, wenn 20 bis 25 Prozent der Wälder gerodet wurden oder die durchschnittliche Oberflächentemperatur auf 2,0 °C bis 2,5 °C über das vorindustrielle Niveau steigt (Lovejoy und Nobre 2019). Neuere Simulationen mit Erdsystemmodellen bestätigen diese Prognosen. Ohne Berücksichtigung der Regenwaldzerstörung wurde eine kritische Schwelle von 3,7 bis 4,0 °C ermittelt, jenseits derer ein Drittel der tropischen Regenwälder Amazoniens instabil werden könnte (Wunderling u. a. 2026). Wird eine Regenwaldzerstörung in der Größenordnung von 25 Prozent in den Simulationen berücksichtigt, reichen hingegen bereits 1,5 bis 1,9 °C, um zwei Drittel der tropischen Regenwälder Amazoniens instabil werden zu lassen. Instabilität bedeutet in beiden Fällen, dass die Wälder zu Savannen degradieren. Das heißt, intakte tropische Regenwälder verkraften deutlich höhere Temperaturen als selektiv zerstörte Wälder.
Das ist insofern beunruhigend, weil die zerstörten Flächen und die einhergehenden Klimaänderungen nicht linear verknüpft sind, sondern die größten Klimaänderungen schon dann auftreten, wenn erst zehn bis 40 Prozent der Wälder gerodet wurden (Franco u. a. 2025). Dass ein einziger systemweiter Kipppunkt alle tropischen Regenwälder Amazoniens gleichermaßen kollabieren lassen könnte, kann aktuell nicht belegt werden (Brando u. a. 2025). Regional ist dies allerdings möglich und sogar wahrscheinlich, wie das Beispiel des südöstlichen Amazoniens zeigt, wo sich in einer Art „Savannisierung“ eine trockene Savanne mit spärlicher Strauchvegetation ausbreitet (Nobre u. a. 2016).

Es stellt sich die Frage, ob das, was gerade im Südosten passiert, auch den zentralen und westlichen Teil Amazoniens treffen kann. Für Zentralamazonien trifft das zu. Auch in Zentralamazonien wird es seit 30 Jahren trockener mit häufigeren und intensiveren Dürren. Wenn dieser Trend anhält, könnten die heutigen Tropen bis ins Jahr 2100 zu einer neuen, heißen Klimazone werden, den Hypertropen (Chambers u. a. 2026). In Regionen mit weniger Niederschlägen und in Teilen, die näher an menschlichen Aktivitäten liegen, nimmt die Baumsterblichkeit zu, und die Widerstandsfähigkeit tropischer Regenwälder geht schneller verloren, mit tiefgreifenden Auswirkungen für die biologische Vielfalt, die Kohlenstoffspeicherung und den Klimawandel (Boulton u. a. 2022).
Im westlichen Teil Amazoniens fungieren die tropischen Regenwäl-der aktuell als Kohlenstoffsenke und sind noch nicht von der Savannisierung betroffen. Der südamerikanische Monsun versorgt die Wälder dort mit Feuchtigkeit aus dem Atlantik. Auf dem Weg quer durch den Kontinent nach Westen werden diese feuchten Luftmassen – die fliegenden Flüsse des Amazonas – beständig mit Feuchtigkeit aus der Evapotranspiration versorgt (Niederschlagsrecycling). Wenn die Feuchtigkeit über Amazonien kondensiert und sich Niederschläge bilden, wird Wärme freigesetzt. Während der Regenzeit von Dezember bis Februar erhöht diese Wärme über den Regenwäldern den Zufluss von Feuchtigkeit aus dem Atlantik, wodurch mehr Feuchtigkeit in den Westen gelangt. Der Prozess wird unterbrochen, wenn wegen Abholzung und Brandrodung große Waldflächen vernichtet werden und weniger Feuchtigkeit verdunstet. Im westlichen Teil Amazoniens könnten dadurch die Niederschläge um 40 Prozent reduziert werden (Boers u. a. 2017). Der Wasserstress wäre verheerend für die Vegetation. Die Dürren in den Jahren 2005, 2010, 2023 und 2024 im südwestlichen Amazonien könnten Vorboten dieser Entwicklung gewesen sein.
Positive Rückkopplungen – negative Effekte
All dies sind Beispiele für positive Rückkopplungen mit ausschließlich negativen Folgen für die tropischen Regenwälder Amazoniens. Zusammengefasst: Wasserstress – weniger Photosynthese – weniger CO2-Aufnahme – weniger Niederschläge – mehr atmosphärisches CO2 – mehr Trockenheit – mehr Hitze – mehr Dürren – mehr Brände. Das heißt, nicht nur vom Menschen verursachte Abholzungen, Brandrodungen und Waldbrände zerstören die tropischen Regenwälder, sondern es ist auch der Klimawandel selbst, der Austrocknung und Dürren begünstigt (Staal u. a. 2020).
Kongo-Becken
Im Gegensatz zu Amazonien sind die tropischen Regenwälder im Kongo-Becken weniger anfällig für Klimaänderungen (Saatchi u. a. 2021). Obwohl ähnlichen Bedingungen ausgesetzt, reagieren die Kongo-Regenwälder weit weniger empfindlich, weil sie besser an zeitweiligen Wassermangel während Dürren angepasst sind oder die Verfügbarkeit von Nährstoffen stabiler ist. Mit negativen Netto-Emissionen von -0,61 Gt CO2 jährlich sind die tropischen Regenwälder im Kongo-Becken weiterhin eine robuste Kohlenstoffsenke, die mehr Kohlenstoff aufnimmt als sie abgibt (Harris u. a. 2021).
Während in Amazonien Brandrodung und maschinelle Abholzung im agroindustriellen Maßstab verantwortlich für die Zerstörung sind, ist es im Kongo-Becken eher kleinbäuerliche Landwirtschaft. Die Abholzungen erfolgen weitgehend manuell mit Kettensäge und Axt. Die demografisch bedingte Ausweitung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und die Entwicklung der agroindustriellen Bewirtschaftung von Ölpalmenplantagen erhöhen allerdings auch im Kongo-Becken den Druck auf die verbliebenen tropischen Regenwälder (Tyukavina u. a. 2018). Für das Klima ist das eine schlechte Nachricht.
In der Mitte des Kongo-Beckens liegt die Cuvette Centrale, ein riesiges Torfmoorgebiet mit einer Fläche von 145.000 km2, in dem etwa 31 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert sind (Dargie u. a. 2017). Torf besteht hauptsächlich aus abgestorbenen Resten von Sumpfpflanzen, die sich in einem Moor ansammeln. Ein Moor ist ein Gebiet mit stehendem Wasser und vergleichbar mit einem riesigen Schwamm. Ist die Torfschicht in einem Moor mehr als 30 Zentimeter dick, wird von einem Torfmoor gesprochen.
Das Torfmoorgebiet der Cuvette Centrale ist hauptsächlich von tropischen Regenwäldern bedeckt, die als Torfsumpfwälder einen hohen Anteil an Palmen und Harthölzern haben. Viele Baumarten zeigen Anpassungen an Staunässe und saure Böden. Wenn Torfmoore entwässert und ausgetrocknet werden, erhöht sich der Sauerstoffgehalt im Boden. Mikroorganismen nutzen den zusätzlichen Sauerstoff und beschleunigen die Zersetzung organischen Materials. Dadurch wird nicht nur viel CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, sondern auch andere Treibhausgase wie Methan und Lachgas. Der Prozess ähnelt dem, der abläuft, wenn in der Arktis der Permafrost auftaut.
Derzeit ist das Moorgebiet der Cuvette Centrale noch gut erhalten, aber es wäre fatal für das Klima, wenn die Torfsumpfwälder großflächig gerodet und die Torfmoore ausgetrocknet würden (Nesha u. a. 2024). Die ausgetrockneten Torfmoore könnten extrem leicht Feuer fangen. Torfmoorbrände können monatelang unterirdisch schwelen und sind kaum zu löschen, wobei enorme Mengen CO2 freigesetzt werden. In Deutschland sind zu Beginn der 2020er-Jahre Brände in Moorgebieten in Brandenburg immer wieder ausgebrochen, weil Glutnester tief in den ausgetrockneten Moorböden wochenlang geschwelt und die Brände immer wieder angefacht haben.
Südost-Asien
Die tropischen Regenwälder in Südost-Asien sind ebenfalls weniger anfällig für Klimaänderungen als die Wälder Amazoniens. Doch während Amazonien und das Kongo-Becken noch Kohlenstoffsenken sind, ist Südost-Asien mit Netto-Emissionen von 0,49 Gt CO2 jährlich bereits zu einer Kohlenstoffquelle geworden (Harris u. a. 2021).

In Südost-Asien gibt es mit 237.000 km2 die größten Torfmoorgebiete der Welt, verteilt über zahlreiche Inseln und Inselstaaten aber auch auf dem asiatischen Festland (Omar u. a. 2022). Der größte Teil befindet sich auf dem Staatsgebiet von Indonesien und Malaysia mit zusammen 98 Prozent. In den Torfmooren Südost-Asiens sind 68,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, intakte Torfmoore und die sie bedeckenden Torfsumpfwälder sind deswegen wichtige Kohlenstoffsenken (Page u. a. 2011). Doch seit den 1990er Jahren werden die Torfmoorwälder massiv für die landwirtschaftliche Nutzung zerstört, allein zwischen 2001 und 2022 gingen in Südost-Asien 121.000 km2 verloren (Sasmito u. a. 2025).
Mit den Abholzungen und Landnutzungsänderungen der Torfmoorwälder waren Emissionen von jährlich 684 Millionen Tonnen CO2 verbunden. Knapp die Hälfte dieser Emissionen geht zurück auf die Torfzersetzung, die andere Hälfte auf Biomasseverlust infolge von Entwaldung, Torfverbrennung sowie Torfverlust und den Bau künstlicher Torfentwässerungskanäle. Die Torfmoore müssen entwässert werden, weil Ölpalmen unter den nassen und sumpfigen Bedingungen in Torfmooren nicht wachsen können. Deshalb werden die Torfsumpfwälder gerodet und die Torfmoore anschließend entwässert und ausgetrocknet.
Bei ausgedehnten Torfmoorbränden während der trockenen Jahre von El Niño in den 2000er- und 2010er-Jahren wurden zusätzlich große Mengen CO2 freigesetzt (Kondo u. a. 2025). Die auf Torfmoorflächen geschaffenen Ölpalmenplantagen, seien sie agroindustriellen oder kleinbäuerlichen Maßstabs, hatten im Jahr 2010 einen Anteil von 21 Prozent an den Brutto-Emissionen Malaysias und Indonesiens, was 0,6 Prozent der jährlichen globalen Brutto-Emissionen entsprach (Cooper u. a. 2020).

www-Tipps
Referenzen
- Bochow, N. und Boers, N.: The South American monsoon approaches a critical transition in response to deforestation. Science Advances 9 (2023).
- Boers, N. u. a.: A deforestation-induced tipping point for the South American monsoon system. Scientific Reports 7 (2017).
- Boulton, C. A. u. a.: Pronounced loss of Amazon rainforest resilience since the early 2000s. Nature Climate Change (2022).
- Brando, P. M. u. a.: Tipping Points of Amazonian Forests: Beyond Myths and Toward Solutions. Annual Review Environment and Resources 50 (2025).
- Chambers, J. Q. u.a.: Hot droughts in the Amazon provide a window to a future hypertropical climate. Nature 649 (2026).
- Cooper, H. u. a.: Greenhouse gas emissions resulting from conversion of peat swamp forest to oil palm plantation. Nature Communications 11 (2020).
- Dargie, G. u. a.: Age, extent and carbon storage of the central Congo Basin peatland complex. Nature 542 (2017).
- Franco, M. A. u. a.: How climate change and deforestation interact in the transformation of the Amazon rainforest. Nature Communications (2025).
- Gatti, L. V. u. a.: Amazonia as a carbon source linked to deforestation and climate change. Nature 595 (2021).
- Harris, N. L. u. a.: Global maps of twenty-first century forest carbon fluxes. Nature Climate Change 11 (2021).
- Khanna, J. u. a.: Regional dry-season climate changes due to three decades of Amazonian deforestation. Nature Climate Change 7 (2017).
- Kondo, M., u. a.: The greenhouse gas budget of Southeast Asia for 2000–2019 and pathways toward climate neutrality. Global Biogeo-chemical Cycles 39 (2025).
- Lawrence, D. u. a.: The Unseen Effects of Deforestation: Biophysical Effects on Climate. Frontiers in Forests and Global Change 5 (2022).
- Liu, Y. u. a.: Recent forest loss in the Brazilian Amazon causes substantial reductions in dry season precipitation. AGU Advances 6 (2025).
- Lovejoy, T. E. und Nobre C. A.: Amazon tipping point: Last chance for action. Science Advances 5 (2019).
- Maeda, E. E. u. a.: Large-scale commodity agriculture exacerbates the climatic impacts of Amazonian deforestation. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 118 (2021).
- Nesha, K. u. a.: An assessment of recent peat forest disturbances and their drivers in the Cuvette Centrale, Africa. Environmental Research Letters 19 (2024).
- Nobre, C. A. u. a.: Land-use and climate change risks in the Amazon and the need of a novel sustainable development paradigm. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 113 (2016).
- Omar, M. S. u. a.: Peatlands in Southeast Asia: A comprehensive geological review. Earth-Science Reviews 232 (2022).
- Page, S. E. u. a.: Global and regional importance of the tropical peatland carbon pool. Global Change Biology 17 (2011).
- Saatchi, S. u. a.: Detecting vulnerability of humid tropical forests to multiple stressors. One Earth 4 (2021).
- Sasmito, S. D. u. a.: Half of land use carbon emissions in Southeast Asia can be mitigated through peat swamp forest and mangrove conservation and restoration. Nature Communications 16 (2025).
- Staal, A. u. a.: Feedback between drought and deforestation in the Amazon. Environmental Research Letters 15 (2020).
- Tyukavina, A. u. a.: Congo Basin forest loss dominated by increasing smallholder clearing. Science Advances 4 (2018).
- Wunderling, N. u. a.: Deforestation-induced drying lowers Amazon climate threshold. Nature (2026).