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Tropische Regenwälder im Klimafokus
Regenwälder im Tropenfieber – Teil 1
Tropische Regenwälder sind über den Kohlenstoff- und Wasserkreislauf in das Klimasystem der Erde eingebunden. Wie eine riesige Klimaanlage regulieren tropische Regenwälder die Oberflächentemperatur, erzeugen ihre eigenen Niederschläge und beeinflussen die Atmosphäre und die Zirkulationsmuster sowohl innerhalb als auch außerhalb der Tropen – sie sind cool fürs Klima.
Tropische Regenwälder gehören zu den produktivsten terrestrischen Ökosystemen der Erde, die mehr Kohlenstoff speichern und mehr verdunsten Wasser als jedes andere Waldökosystem der Erde (Fahrenbach u. a. 2026). Der Begriff Klimaanlage beschreibt anschaulich die Bedeutung der tropischen Regenwälder im Klimasystem der Erde. Und tatsächlich sind sie es auch. Ein einziger tropischer Urwaldriese kühlt seine Umgebung nicht nur passiv durch seinen Schatten, sondern auch durch die aktive Verdunstung von Wasser über seine Blätter.
Waldökosysteme im Kohlenstofffluss
Der Kohlenstofffluss ist definiert als der Austausch von Kohlenstoff zwischen den verschiedenen Kohlenstoffspeichern der Erde, wie Atmosphäre, Ozean, Land (Boden) und Lebewesen. Die Fähigkeit von Waldökosystemen Kohlenstoff zu speichern, wird durch klimatische, hydrologische, biologische und Bodenfaktoren bestimmt. In ihrem natürlichen Gleichgewicht sind intakte tropische Regenwälder eine Kohlenstoffsenke. Das heißt, sie nehmen in der Summe mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, als dass sie abgeben. Weil Waldökosysteme lebende Systeme sind, die in den Wasser- und Kohlenstoffkreislauf der Erde eingebunden sind, ist ihre Modellierung in Erdsystemmodellen sehr komplex. Obwohl die Datenerhebung als auch die Erdsystemmodelle ständig verbessert werden, gibt es bisher nicht das eine Szenario, das beschreibt, wie viel globale Waldökosysteme zum Klimawandel beitragen, aber die Prognosen werden besser.
Aktuelle Daten aus der Überwachung von GFW aus den Jahren 2001 bis 2023 zeigen, dass globale Waldökosysteme weiterhin eine Kohlenstoffsenke sind, die mehr CO2 absorbiert als emittiert (Gibbs u. a. 2025). Die Netto-CO2-Aufnahme betrug im genannten Zeitraum pro Jahr durchschnittlich -14,5 Gigatonnen (Gt) CO2 (eine Gigatonne sind 1.000 Milliarden Tonnen). Dem stehen Brutto-Emissionen von 9,0 Gt CO2 durch Abholzung, Brandrodung und andere Störungen gegenüber. Das heißt, unter dem Strich waren die resultierenden Netto-Emissionen negativ, was bedeutet, dass globale Waldökosysteme der Atmosphäre im Durchschnitt jedes Jahr -5,5 Gt CO2 entzogen haben. Weil es sich um Durchschnittswerte handelt, wurden jährliche Schwankungen im genannten Zeitraum nicht abgebildet. Im Zeitraum von 2000 bis 2007 lagen die Werte beispielsweise etwas niedriger, was auf eine verringerte Waldfläche durch Rodungen und durch eine schwere Dürre in Amazonien im Jahr 2005 zurückzu-führen war (Phillips u. a. 2009).

Bestätigt werden die GFW-Daten durch die Ergebnisse eines anderen Modells, wonach globale Waldökosysteme in den Jahren 2000 bis 2019 durchschnittlich -5,6 Gt CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre aufgenommen haben (Pan u. a. 2024). Die Daten der beiden Erdsystemmodelle lassen sich in diesem Fall gut miteinander vergleichen, obwohl für die Simulationen teils unterschiedliche Anfangsdaten eingesetzt wurden. Die GFW-Daten zeigen weiterhin, dass tropische Regenwälder mit -7,1 Gt von allen Waldökosystemen mit Abstand am meisten CO2 pro Jahr netto aus der Atmosphäre aufnehmen. Allerdings scheint der Beitrag der tropischen Wälder zur CO2-Aufnahme erheblich abzunehmen, während gleichzeitig der Beitrag der borealen Wälder zunimmt (Tagesson u. a. 2020). Möglicherweise profitieren die borealen Wälder von der höheren atmosphärischen CO2-Konzentration.
In den Tropen sind Abholzung, Brandrodung und andere Störungen hauptverantwortlich, wodurch 5,7 Gt CO2 freigesetzt werden. Am Ende bleiben noch -1,4 Gt CO2 an Netto-Emissionen übrig, die von tropischen Wäldern jedes Jahr aufgenommen wurden. GFW beziffert die Brutto-Emissionen aus der Zerstörung tropischer Regenwälder mit 3,1 Gt CO2 im Jahr 2024 (WRI 2025). Das sind acht Prozent aller vom Menschen verursachten Brutto-Emissionen im Jahr 2024 und mehr als die Europäische Union im selben Jahr mit 2,4 Gt an CO2 brutto emittiert hat. Die Zerstörung tropischer Regenwälder ist deswegen doppelt schlecht ist fürs Klima, weil bei der Brandrodung CO2 in die Atmosphäre freigesetzt wird und die verbrannten Wälder anschließend fehlen, um das vom Menschen verursachte CO2 aus der Atmosphäre wieder aufzunehmen.
Letztlich gilt für die tropischen Regenwälder dasselbe wie für die Eisbären. Um ein differenziertes Bild des Kohlenstoffflusses zu erhalten, müssen regionale Unterschiede betrachtet werden, denn was am Amazonas gilt, muss nicht unbedingt auch für den Kongo oder für Südost-Asien gelten.


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Referenzen
- Fahrenbach, N. L. S. u. a.: Reforestation scenarios shape global and regional temperature outcomes. Communications Earth & Environment 7 (2026).
- Friedlingstein, P. u. a.: Global Carbon Budget 2025. Earth System Science Data 18 (2026).
- Gibbs, D. A. u. a.: Revised and updated geospatial monitoring of 21st century forest carbon fluxes. Earth System Science Data 17 (2025).
- Pan, Y. u. a.: The enduring world forest carbon sink. Nature 631 (2024).
- Phillips, O. L. u. a.: Drought Sensitivity of the Amazon Rainforest. Science 323 (2009).
- Tagesson, T. u. a.: Recent divergence in the contributions of tropical and boreal forests to the terrestrial carbon sink. Nature Ecology & Evolution 4 (2020).
- WRI (World Resources Institute): Fires Drove Record-breaking Tropical Forest Loss in 2024. Global Forest Review, updated May 21, 2025. Washington, DC (2025).