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Tropische Regenwälder im Klimafokus
Tropische Regenwälder im Fokus des Klimawandels
Der Klimawandel ist real, und er ist vom Menschen verursacht. Den tropischen Regenwälder spielen im Klimasystem der Erde eine entscheidende Rolle. Die Brandrodung tropischer Regenwälder ist doppelt schlecht fürs Klima. Bei der Brandrodung der Wälder wird einerseits CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Andererseits fehlen die verbrannten Wälder, um das vom Menschen verursachte CO2 aus der Luft zu entfernen. Für den Kampf gegen den Klimawandel braucht es mehr tropische Regenwälder, nicht weniger – denn sie sind cool fürs Klima!
Zum ersten Mal in der Erdgeschichte verändert nicht das Klima das Leben, sondern das Leben verändert das Klima. Die atmosphärischen Konzentrationen von Treibhausgasen haben seit Beginn der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts deutlich zugenommen. Einhergehend wandelt sich das Klima der Erde, es wird wärmer. Der Klimawandel ist unbestritten eine Tatsache, die auf unzähligen wissenschaftlichen Messdaten, Beobachtungen, Szenarien und Simulationen fußt und nicht mehr wegdiskutiert werden kann – und die Klimazahlen sind im Wandel.
Intakte tropische Regenwälder bewahren eine einzigartige Artenvielfalt. In ihrer natürlichen Funktion sind sie die Klimaanlage der Erde und regulieren globale Wasser- und Kohlenstoffkreisläufe weit über ihre Grenzen hinaus. Sie speichern enorme Mengen Biomasse, bei deren Aufbau sie der Atmosphäre CO2 entziehen. Sie verdunsten sehr viel Wasser, wodurch ihre Umgebung direkt gekühlt wird. Die während der Verdunstung entstehenden Wolken reflektieren das Sonnenlicht, und Windsysteme verteilen die Feuchtigkeit innerhalb der Kontinente und auf dem Globus. All diese Effekte kühlen die Erde und verringern den Treibhauseffekt.
Doch die Zerstörung tropischer Regenwälder hat weitreichende Folgen, die bis in die Arktis reichen. Nicht nur, dass die faszinierende Artenvielfalt unwiederbringlich verschwindet, es ist auch doppelt schlecht für das Klima. Durch Brandrodung werden große Mengen CO2 freigesetzt, die die Atmosphäre aufheizen. Nach der Abholzung fehlen die Wälder, um CO2 aus der Atmosphäre zu fixieren, wodurch es noch wärmer wird. Doch was am Äquator passiert, bleibt nicht am Äquator. Luft- und Meeresströmungen transportieren die Wärme vom Äquator in die Arktis, wo der Grönländische Eisschild und das Arktische Meereis schmelzen. Mit dem Rückgang des Meereises verliert der Eisbär seine Jagdgründe, der Meeresspiegel steigt und die Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC), eine Meeresströmung, wird abgeschwächt oder droht vollständig zu kippen. Die Abschwächung der AMOC wiederum verschiebt den tropischen Regengürtel (ITCZ) am Äquator nach Süden, weswegen es in Amazonien trockener wird und tropische Regenwälder zu Savannen werden – tropische Regenwälder im Tropenfieber. Am Ende sind Trockenheit und Hitze der ultimative Stresstest für die Widerstandsfähigkeit der tropischen Regenwälder. Ob sie ihn bestehen, ist ungewiss. In aller Kürze (verändert nach Ripple u. a. 2026):
- Die atmosphärische CO2-Konzentration steigt, ausgelöst durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.
- Die Brandrodung tropischer Regenwälder setzt zusätzlich CO2 frei.
- Die Artenvielfalt verschwindet unwiederbringlich und Kohlenstoffspeicher werden zerstört.
- Die Temperatur der Erde steigt.
- Die Wasserdampfkapazität der Atmosphäre steigt, was die Erwärmung verstärkt (Wasserdampf-Rückkopplung).
- Das Arktische Meereis und das Grönlandeis schmelzen, was den Salzgehalt im Nordatlantik reduziert.
- Der Eisbär verliert seine Jagdgründe.
- Die Erwärmung beschleunigt sich, weil weniger Eis in der Arktis die Albedo der Erde verringert (Eis-Albedo-Rückkopplung).
- Das süße Schmelzwasser aus der Arktis schwächt die AMOC.
- Die schwächelnde AMOC verschiebt am Äquator die ITCZ etwas nach Süden.
- Die tropischen Regenwälder Amazoniens trocknen aus, es bilden sich Savannen.
- Das CO2 bleibt in der Atmosphäre, weil tropische Regenwälder fehlen, um es aufzunehmen.

Definition „Klimawandel“
Es gibt unterschiedliche Definitionen für den Klimawandel. Der „Weltklimarat“ (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) definiert ihn als einen veränderten Klimazustand, der über einen längeren Zeitraum anhält, in der Regel Jahrzehnte oder länger. Die Ursachen können natürlichen Ursprungs sein, zum Beispiel veränderte Sonnenzyklen oder Vulkanausbrüche. Sie können aber auch anthropogenen Ursprungs sein, wie zum Beispiel die Verbrennung fossiler Energieträger – Kohle, Öl und Erdgas – oder Landnutzungsänderungen, wie zum Beispiel Brandrodungen. Die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) definiert den Klimawandel hingegen als „eine Veränderung des Klimas, die direkt oder indirekt auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist.“ Ein möglicher natürlicher Ursprung des Klimawandels wird in der UNFCCC-Definition nicht berücksichtigt.
IPCC und UNFCCC
Der IPCC ist eine Institution der Vereinten Nationen, auch Weltklimarat genannt. Hunderte Fachleute aus der ganzen Welt fassen in den Sachstandsberichten des IPCC den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel aus wissenschaftlicher Sicht zusammen. Der 6. Sachstandsbericht ist aktuell und wurde 2023 veröffentlicht, Version 7 soll im Jahr 2029 folgen.
Die UNFCCC ist die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und damit der wichtigste Vertrag, um Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels weltweit zu koordinieren. Die UNFCCC stützt sich auf die wissenschaftlichen Bewertungen des IPCC, um über seine Entscheidungen zu informieren und Verhandlungen zu leiten.
Unabhängig von der Definition ist der Klimawandel der heutigen Zeit Realität und nicht mehr nur bloße Theorie. Gemäß des IPCC könnte die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde im nächsten Jahrhundert im schlechtesten Fall auf ein Niveau steigen, das es seit dem Eozän vor 55 Millionen Jahren nicht mehr gab (Burke u. a. 2018). Damals waren gerade erst die Dinosaurier nach einem Meteoriteneinschlag und dem resultierenden dramatischen Klimawandel ausgestorben. Verantwortlich für den Klimawandel der heutigen Zeit ist der Mensch, der fossile Energieträger nutzt, Zement herstellt, Wälder verbrennt und die Landschaft umgestaltet. In der Wissenschaft herrscht über den vom Menschen verursachten Klimawandel ein breiter Konsens.
„Klimawandel ist Physik“, so hat es Professor Gabriele C. Hegerl formuliert, „ob sich die Erde als Reaktion auf den Anstieg der Treibhausgase erwärmt, wird durch die Physik des Energiehaushalts bestimmt und unterliegt keinen Glaubenssystemen“ (Hegerl 2022). Der IPCC kommt zu dem Schluss, dass sich „der Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Klimaerwärmung von einer Theorie zu einer anerkannten Tatsache entwickelt hat“ (IPCC 2021). Trotzdem gibt es weltweit gesellschaftliche und politische Strömungen, die den Klimawandel und seine Ursachen weiterhin leugnen und den vom Menschen verursachten Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre für unschädlich erklären oder verharmlosen.
Natürlich ist der Klimawandel ein Thema, das im ersten Moment abstrakt und überkomplex erscheint. Dafür sind zwei Punkte verantwortlich. Erstens sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht sofort spürbar. Klima ist Statistik und nicht greifbar wie das tägliche Wetter vor der Haustür, selbst Extremwetterereignisse sind es nicht. Das Wetter entscheidet über die Kleidung für den heutigen Tag, das Klima entscheidet, welche Kleidung in 30 Jahren im Schrank hängt. Dreißig Jahre sind weit weg, und das ist das Problem. Wer kann und will sich heute die Mode oder das Klima von übermorgen vorstellen. Zweitens ist CO2 ein unsichtbares Gas, das sich der menschlichen Wahrnehmung entzieht. Es trübt die Luft nicht und riecht auch nicht unangenehm. Würde CO2 als giftgrüner, übel riechender Nebel aus Schornsteinen und Auspuffen kommen, wäre das Problem vermutlich schon in den 1970er-Jahren gelöst worden.


www-Tipps
- Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
- United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC).
- CO2 Emissions, Global Energy Review, Internationale Energieagentur (IEA), 2025.
- Forest Pulse Archive, World Resources Institute (WRI).
- Global Carbon Budget, 2025.
- Berechnen Sie Ihren ökologischen Fußabdruck bei KlimAktiv.de.
Referenzen
- Burke, K. D. u. a.: Pliocene and Eocene provide best analogs for near-future climates. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 115 (2018).
- Hegerl, G. C.: Climate change is physics. Communications Earth & Environment 3 (2022).
- IPCC: 6th Assessment Report, WG1, Chapter 1: Framing, Context and Methods (2021).
- IPCC: Climate Change 2023: Synthesis Report (2023).
- NOAA Global Monitoring Laboratory: Trends in Atmospheric Carbon Dioxide (2026); EPA based on various sources (2022) – with major processing by Our World in Data (2026).
- Ripple, W. J. u. a.: The risk of a hothouse Earth trajectory. One Earth 9 (2026).