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Tropische Regenwälder im Klimafokus
Schmelze in der Arktis
Natürlich gibt es im tropischen Regenwald keine Eisbären. Trotzdem sind Eisbär und Regenwald im Klimasystem der Erde verbunden. Wenn das Arktische Meereis und der Grönländische Eisschild schmelzen, ist es nicht nur schlecht für Eisbären, die ihre Jagdgründe verlieren, sondern auch für den Regenwald.
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Die Arktis ist die Polarregion rund um den Nordpol und besteht hauptsächlich aus dem Arktischen Ozean, der weitgehend vom Land des eurasischen und nordamerikanischen Kontinents umgeben ist. Auch Grönland gehört zur Arktis. Hinter der Antarktis ist der Grönländische Eisschild der zweitgrößte der Erde. Die Dauerfrostböden der an die Arktis grenzenden Kontinente werden Permafrost genannt.
Im Klimasystem der Erde spielt die Arktis eine wichtige Rolle, insbesondere in der nördlichen Hemisphäre. Wegen des flachen Sonnenwinkels und der polaren Nacht im Winter ist das arktische Klima von Kälte und wenigen Niederschlägen geprägt. Als Kühlkörper ist die Arktis unersetzlich für die Erde, weil sie mehr Wärme in den Weltraum abgibt, als sie von der Sonneneinstrahlung absorbiert. In niederen Breiten (zwischen den Wendekreisen 23,5 Grad nördlich und südlich des Äquators) ist es umgekehrt, wo Kontinente und Ozeane mehr Sonneneinstrahlung absorbieren, als sie Wärme in den Weltraum abgeben. Die daraus resultierenden Temperaturunterschiede bewegen warme feuchte Luft aus tropischen und gemäßigten Breiten in die Arktis und kalte Luft aus der Arktis in die niederen Breiten. Über das Jahr gemittelt und auf die ganze Erde bezogen, wird der Zugewinn an Wärme in niederen Breiten durch den Wärmeverlust in den Polarregionen ausgeglichen (Taylor u. a. 2022).
Arktisches Meereis
Der Arktische Ozean ist von mehreren Metern dickem und teilweise sehr altem Meereis bedeckt, das im Wechsel der Jahreszeiten mal mehr oder weniger wird. Meereis ist gefrorenes Meerwasser, das an der Wasseroberfläche schwimmt. Die Meereisausdehnung gibt die Fläche des Ozeans an, die zu mehr als 15 Prozent von Meereis bedeckt ist. Am Ende des arktischen Sommers im September ist die jährliche Meereisausdehnung am geringsten, am Ende des Winters im März am größten

Das Meereis und der darauf liegende Schnee reflektieren den größten Teil des Sonnenlichts wie ein Spiegel zurück in den Weltraum, was dazu beiträgt, die Arktis kühl zu halten. Die Albedo ist ein Maß für die Menge an Sonnenlicht, die von einer Oberfläche reflektiert wird. Schnee und Eis reflektieren 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts und haben deswegen hohe Albedo-Werte. Die Wasseroberfläche des Ozeans hingegen reflektiert nur zehn Prozent des einfallenden Sonnenlichts und hat deswegen einen niedrigen Albedo-Wert. Das heißt, wenn das Meereis wegen der höheren Temperaturen schmilzt, geht die Meereisausdehnung zurück, und die eisfreie Wasseroberfläche des Ozeans wird größer. Dadurch wird weniger Sonnenlicht von Schnee und Eis reflektiert und mehr über die dunklere Wasseroberfläche des Ozeans absorbiert – der Ozean erwärmt sich. Wegen des nun wärmeren Wassers schmilzt in der Folge noch mehr Meereis usw. Es kommt zu einer fatalen positiven Rückkopplung, deren Ursachen – Meereisverlust und Erwärmung – sich gegenseitig verstärken. Deswegen steigt die Temperatur in der Arktis schneller als anderswo auf der Erde. Das Phänomen wird als „arktische Verstärkung“ bezeichnet und ist eng mit der abnehmenden Ausdehnung des Meereises verbunden. Am Ende des Sommers ist die arktische Meereisausdehnung heute nur noch etwa halb so groß wie im Jahr 1979 (Fetterer u. a. 2025).
Trotz der anhaltend steigenden Temperatur ist die Meereisausdehnung in der Arktis in 20 Jahren seit dem Jahr 2005 nicht weiter zurückgegangen (England u. a. 2025). Verantwortlich dafür sind wahrscheinlich natürliche Klimaschwankungen, verursacht durch veränderte Meeresströmungen im Atlantik und im Pazifik. Ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel wäre die Meereisausdehnung in dieser Zeit wahrscheinlich größer geworden. Das bedeutet aber nicht, dass der Klimawandel irreal ist, er bleibt real. Die arktische Verstärkung dauert unvermindert an.

Der Grönländische Eisschild
Grönland ist ein autonomes Territorium mit rund 57.000 Einwohnern, das zu Dänemark gehört. Es ist nicht Teil der EU, ist aber über Assoziationsabkommen eng an diese gebunden. Seine inneren Angelegenheiten regelt Grönland selbst; in Sachen Außenpolitik, Verteidigung und Währung wird es von Dänemark vertreten. Deswegen ist Grönland Teil der NATO. Grönland ist mit einer Fläche von 2,2 Millionen km2 die größte Insel der Welt und ist zu 80 Prozent von Eis bedeckt. Grönland verfügt über gewaltige Eismassen. Bis zu 3,5 Kilometer ist das Eis dick und insgesamt 2.800 Billionen Tonnen schwer. Die Zugspitze ist 2.962 Meter hoch. Befände sie sich auf Grönland, würde sie nicht aus dem Eis herausragen. Das vollständige Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds würde Jahrhunderte dauern und den Meeresspiegel um sage und schreibe 7,4 Meter anwachsen lassen, der Antarktische Eisschild gar um 57,9 Meter (Otosaka u. a. 2023). Diese Zahlen verdeutlichen, wie mächtig der Grönländische Eispanzer ist.
Die durch den Klimawandel steigende Temperatur lässt nicht nur das Arktische Meereis schmelzen, sondern machen auch dem Grönländischen Eisschild zu schaffen, der durch positive Rückkopplungen destabilisiert wird. Das Abschmelzen des Eises wird beschleunigt und die Gletscher werden kleiner. Eisschilde gewinnen ausschließlich dadurch an Masse, dass sie Schnee an der Oberfläche ansammeln. Sie verlieren Masse durch den Abfluss von Schmelzwasser an der Oberfläche und durch das Kalben von Eisbergen. Schmelzwasser entsteht an der Oberfläche von Eisschilden, wenn die Lufttemperatur über den lokalen Gefrierpunkt steigt. Ein Teil dieses Schmelzwassers gefriert an der Oberfläche wieder oder sickert in die Schneedecke ein, während der Rest von der Oberfläche in den Ozean abfließt. Durch den Eisverlust sinkt die Oberfläche des Eisschilds in tiefere Lagen ab – das Eis wird dünner und der Eisschild verliert an Höhe. Die wärmere Umgebungsluft in den tieferen Lagen führt dann dazu, dass das Eis noch schneller schmilzt. Der Effekt verstärkt sich selbst und ist deswegen so tückisch, weil er den Grönländischen Eisschild schneller in die Nähe seines Kipppunkts schiebt (Boers und Rypdal 2021). Am Kipppunkt ist die Eisoberfläche so weit in wärmere, tiefere Lagen abgesunken, dass das Eis nicht mehr erhalten werden kann, selbst wenn die globale Erwärmung gestoppt würde.
Die Daten zur Massenbilanz des Grönländischen Eisschilds vom Jahr 1840 bis heute können tagesaktuell von einer Datenbank der Geological Survey of Denmark and Greenland abgerufen werden (Mankoff u. a. 2021). Demnach sind in den vergangenen 186 Jahren durchschnittlich 77 Gigatonnen Eis pro Jahr verloren gegangen. Die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind beträchtlich und reichen von einem Zugewinn an Eis in Höhe von 139 Gigatonnen im Jahr 1996 bis zu einem Verlust von 440 Gigatonnen im Jahr 2012. Insgesamt gingen im genannten Zeitraum 14.314 Gigatonnen Eis verloren oder acht Millionen Tonnen pro Stunde.

Dadurch ist der Meeresspiegel um vier Zentimeter angestiegen, nicht eingerechnet der Anteil des Antarktischen Eisschilds. Satellitenbeobachtungen und Klimamodelle zeigen einen beständigen Anstieg extremer Schmelzereignisse auf dem Grönländischen Eisschild (Bonsoms u. a. 2026). Seit den 1990er-Jahren hat sich das Volumen extremer Schmelzwassermengen im Sommer versechsfacht. Diese Zunahme unterstreicht, dass der fortschreitende Klimawandel die Oberflächenschmelze seit den 1990er-Jahren rasant beschleunigt. Doch das Grönländische Eis schmilzt wegen der steigenden Temperaturen nicht nur von der Oberfläche des Schilds. Hinzu kommt, dass das wärmere Ozeanwasser die Grönländischen Gletscher von unten (basal) aushöhlt. Dies führt dazu, dass Gletscher instabil werden und schneller in den Ozean kalben. Seit dem Jahr 1985 ging die Eisfläche der Gletscher an den Rändern Grönlands um etwa 5.000 Quadratkilometer zurück, was mit einem Eisverlust von 1.034 Gigatonnen verbunden war (Greene u. a. 2024). Der Zustand des Grönländischen Eisschilds ist einer der wichtigsten Indikatoren für den Klimawandel, sein Zustand verdient die volle Aufmerksamkeit. Möglicherweise ist ein kurzfristiges Überschreiten des Kipppunkts reversibel, sofern die Temperaturen anschließend innerhalb weniger Jahrzehnte massiv gesenkt werden. Doch darauf zu spekulieren gleicht eher einem Glücksspiel.
Der Eisbär – Symbol des Klimawandels
Auch die arktischen Ökosysteme sind vom Schmelzen des Meereises und des Grönländischen Eisschilds betroffen und wandeln sich rasant. Im Zentrum der Diskussion steht der Eisbär (Ursus maritimus), der zu einem Symbol des Klimawandels geworden, obwohl auch alle anderen Meerestiere, wie Robben, Seelöwen, Walrosse, Wale, Fische und viele Seevögel betroffen sind. Doch es sind Bilder von verhungerten und an Eisschollen geklammerten Eisbären, die in den vergangenen Jahren um die Welt gegangen sind und die Diskussion um den Klimawandel angeheizt und emotionalisiert haben. Eisbären sind Meeressäuger, die einen Großteil ihres Lebens auf dem Meereis verbringen, wo sie Robben jagen und sich fortpflanzen. In der westlichen Hudson Bay im Nordosten Kanadas versammeln sie sich jedes Jahr im Herbst, weil sie es nicht abwarten können, endlich die Robbenjagd zu eröffnen. Bildet sich wegen der steigenden Temperaturen weniger Meereis und dann auch noch später im Herbst, finden die Eisbären weniger Robben und haben weniger Zeit zu jagen. Es wird dann schwieriger für die Tiere, Fettreserven aufzubauen oder zu erhalten. In der Hudson Bay und in der Baffin Bay, einem Teil des Arktischen Ozeans zwischen Grönland und Kanada, werden die Eisbären deswegen dünner und haben weniger Nachwuchs (Laidre u. a. 2020).
Überraschenderweise gilt dies nicht für einen Teil der Eisbären in der Nähe von Spitzbergen in der Barentssee, einem Meer zwischen Spitzbergen, Nordeuropa und Russland. Die Barentssee erwärmt sich schneller als fast jeder andere Teil der Arktis, und ihr Meereis verschwindet rasant. Trotzdem sind die Eisbären dort gesund und wohl genährt mit ausreichend Fettreserven (Aars u. a. 2026). Die Spitzbergen-Eisbären haben sich an den Mangel an Meereis angepasst und haben vermutlich alternative Jagdstrategien entwickelt. Ihr Beuteschema erstreckt sich nicht mehr nur auf Robben auf dem Meereis, sondern auf Rentiere, Vogeleier, Tierkadaver und Seehunde an Land.
Das Beispiel der Spitzbergen-Eisbären ist ein Hoffnungsschimmer, bedeutet aber nicht, dass Eisbären generell vor dem Klimawandel sicher sind. Das Bild ist diffuser und zeigt einerseits, dass Klimaschwankungen komplex sind und stark von regionalen Gegebenheiten abhängen. Nicht alle der noch lebenden 26.000 Eisbären können über einen Kamm geschoren werden, sondern ihre Verteilung muss regional betrachtet werden – in manchen Gebieten der Arktis geht es ihnen besser, in anderen schlechter. Andererseits zeigt es auch, dass sich Tiere an die veränderten Bedingungen in ihren Ökosystemen anpassen können, obwohl der Mensch unbestritten einen enormen Druck auf nahezu alle Ökosysteme der Erde ausübt. Eisbären sind mit ihrem dichten Fell, der Fettschicht und der schwarzen Haut perfekt an das Leben auf dem arktischen Meereis angepasst. Wenn im Herbst das Meereis seine geringste Ausdehnung hat, kommen Eisbären an Land und durchstreifen die Nadelwälder am Rand der Arktis.
Doch bis in die Tropen würden sie es nicht schaffen. Biologisch betrachtet wären tropische Regenwälder für Eisbären ein Albtraum. Eisbären sind daran angepasst, bei -40 °C Robben zu jagen. Im tropischen Regenwald mit hohen Temperaturen bis 30 °C und der hohen Luftfeuchtigkeit würden sie innerhalb kürzester Zeit den Hitzetod sterben. Der Eisbär im tropischen Regenwald auf dem Bucheinband ist deswegen natürlich Nonsens, außer in der US-amerikanischen Mystery-Serie Lost, in der tatsächlich ein Eisbär im Dschungel auftaucht. Aber es ist keinesfalls Nonsens, dass die tropischen Regenwälder am Äquator zum Überleben der Eisbären in der Arktis beitragen – und umgekehrt.
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www-Tipps
Forschung
- Aars, J. u. a.: Body condition among Svalbard Polar bears Ursus maritimus during a period of rapid loss of sea ice. Scientific Reports 16 (2026).
- Boers, N. und Rypdal, M.: Critical slowing down suggests that the western Greenland Ice Sheet is close to a tipping point. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 118 (2021).
- Bonsoms, J. u. a.: Record-breaking Greenland ice sheet melt events under recent and future climate. Nature Communications 17 (2026).
- England, M. R. u. a.: Minimal Arctic sea ice loss in the last 20 years, consistent with internal climate variability. Geophysical Research Letters, 52 (2025).
- Fetterer, F. u. a.: Sea Ice Index. (G02135, Version 4). Boulder, Colo-rado USA. National Snow and Ice-Data-Center (2025).
- Greene, C. A. u. a.: Ubiquitous acceleration in Greenland Ice Sheet calving from 1985 to 2022. Nature 625 (2024).
- Laidre, K. L. u. a.: Interrelated ecological impacts of climate change on an apex predator. Ecological Applications 30 (2020).
- Mankoff, K. D. u. a.: Greenland ice sheet mass balance from 1840 through next week. Earth System Science Data 13 (2021).
- Otosaka, I. N. u. a.: Mass balance of the Greenland and Antarctic ice sheets from 1992 to 2020. Earth System Science Data 15 (2023).
- Taylor, P. C. u. a.: Process Drivers, Inter-Model Spread, and the Path Forward: A Review of Amplified Arctic Warming. Frontiers in Earth Science 9 (2022).