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Tropische Regenwälder im Klimafokus
Die AMOC schwächelt – schlecht für den Regenwald
Die AMOC ist eine der wichtigsten globalen Meeresströmungen. Im Klimasystem der Erde ist sie das Bindeglied zwischen der Arktis und den tropischen Regenwäldern. Die AMOC transportiert Wärme vom heißen Äquator in den kalten Norden. Wenn sie zusammenbricht, trocknen die tropischen Regenwälder im Norden Amazoniens aus, während der südliche Teil Amazoniens niederschlagsreicher würde.
Im Klimasystem der Erde ist die Atlantische Umwälzzirkulation (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) das Bindeglied zwischen den Klima-Teilsystemen. „Die AMOC verschiebt Wärme und Salz in den oberen Schichten des Atlantiks in den Norden“, das würde ihre Funktion in einem Satz beschreiben – natürlich sehr stark vereinfacht. Die AMOC ist eine der wichtigsten globalen Meeresströmungen, eine Fernwärmepumpe. Sie ist entscheidend für die Regulierung des Erdklimas, und ihre prognostizierte Schwächung könnte sich stark auf Temperatur- und Wettermuster auf der ganzen Welt auswirken. Bei knapp der Hälfte aller Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Klima-Teilsystemen spielt die AMOC eine unmittelbare Rolle (Lenton u. a. 2025). So auch, wenn es um die tropischen Regenwälder in Amazonien und die Eisbären in der Arktis geht.
Die AMOC ist ein hochkomplexes System und unterliegt zufälligen natürlichen Variationen, was präzise Vorhersagen unmöglich macht. Eine größere Abschwächung der AMOC wird jedoch erwartet, und das allein könnte in den kommenden Jahrzehnten katastrophale Folgen für Europa, Afrika und Amerika haben. Immer wenn die AMOC in den vergangen 100.000 Jahren gekippt ist, folgten dramatische Klimaveränderungen (Boers 2021).
Wann genau der Kipppunkt das nächste Mal überschritten wird, bleibt unklar und wird kontrovers diskutiert. Langfristig erhobene Datensätze deuten darauf hin, dass sich die AMOC seit Mitte des 20. Jahrhunderts bereits um etwa 15 Prozent abgeschwächt hat (Rahmstorf u. a. 2015). Verfeinerte Modellsimulationen, die mit realen Ozeanbeobachtungen kombiniert wurden, prognostizieren eine Schwächung der AMOC um 50 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts – ein Ausmaß, das mit fast absoluter Sicherheit zum Zusammenbruch führen würde (Portmann u. a. 2026). Der vollständige Zusammenbruch noch in diesem Jahrhundert scheint hingegen eher unwahrscheinlich (Baker u. a. 2025). Allerdings könnte der Kipppunkt, der den Zusammenbruch der AMOC unvermeidlich macht, innerhalb weniger Jahrzehnte überschritten werden; der Zusammenbruch selbst könnte dann erst in 100 Jahren folgen (Drijfhout u. a. 2025).
Der Hollywoodklassiker „The Day After Tomorrow“ aus dem Jahr 2004 verdeutlicht, natürlich überzeichnet und in „Zeitraffer“, das Bild des Zusammenbruchs der AMOC und einer darauf folgenden Kältewelle. Tatsächlich könnte sich das Szenario so abspielen wie im Film, nur nicht so schnell. Und egal wie nachhaltig die AMOC gestört wird oder wann sie kippt, es könnte Jahrhunderte oder länger dauern, bis sie sich wieder regeneriert – wenn überhaupt.

Der tropische Regengürtel wird verschoben
Der tropische Regengürtel (ITCZ) ist ein Tiefdruck-Wolkenband, das verzögert mit dem Zenitstand der Sonne zwischen den Wendekreisen pendelt und Amazonien mit Niederschlägen versorgt. Regen- und Trockenzeit in Amazonien werden hauptsächlich vom Stand der ITCZ gesteuert. Im Sommer wandert die ITCZ nach Norden, dann ist Trockenzeit, im Winter wandert sie nach Süden, dann ist Regenzeit.
Generell ist die nördliche Hemisphäre etwa 2 °C wärmer als die südliche, obwohl die Sonneneinstrahlung, wegen ähnlicher Albedo-Werte, in beiden Hemisphären ungefähr gleich ist. Dieser Temperaturunterschied wird nicht direkt von der Sonne, sondern von der AMOC induziert. Die AMOC transportiert warmes Oberflächenwasser aus dem Süden über den Äquator in den Norden und zieht dabei auch die ITCZ leicht nach Norden (Marshall u. a. 2014). Die Stellung der ITCZ ist eng an den Temperaturunterschied im Bereich des Äquators gekoppelt. Aus diesem Grund liegt die ITCZ nicht direkt über dem Äquator, sondern etwa 5° nördlich. Das Abschwächen der AMOC würde den Temperaturunterschied im tropischen Atlantik verringern – das Oberflächenwasser südlich des Äquators würde etwas wärmer, nördlich würde es kühler (Ciemer u. a. 2021). In der Folge würde sich die ITCZ etwas nach Süden verschieben, was erhebliche Auswirkungen auf die globalen Monsunsysteme hätte (Kraft u. a. 2025). Der Westafrikanische, der Indische und der Ost-Asiatische Monsun würden abgeschwächt und weniger niederschlagsreich werden, mit längeren Trocken- und kürzeren Regenzeiten (Ben-Yami u. a. 2024).
In Südamerika wären die tropischen Regenwälder Amazoniens und der Südamerikanische Monsun von der Verschiebung der ITCZ betroffen. Der Amazonas, mit 6.400 Kilometern Länge hinter dem Nil der zweitlängste Fluss der Erde, schlängelt sich zwischen dem Äquator und 5° südlicher Breite quer durch den südamerikanischen Kontinent und unterteilt Amazonien in einen nördlichen und südlichen Teil. Die beiden Teile unterscheiden sich in ihren Niederschlagsmustern, die stark von der Lage der ITCZ und der Menge an Wasserdampf beeinflusst werden, die von Passatwinden aus dem Atlantik herangetragen werden. Südlich des Amazonas tragen die Wälder mehr zu den Gesamtniederschlägen in Amazonien bei als im Norden (Marengo u. a. 2018). Der Südamerikanische Monsun verläuft in Amazonien beidseits des Äquators, weswegen der nördliche und südliche Teil auch unterschiedlich auf die Schwächung der AMOC und die einhergehende Südverschiebung der ITCZ reagieren.

Der Norden Amazoniens
Der Norden Amazoniens würde trockener werden und der saisonale Zyklus von Regen- und Trockenzeit im Jahresverlauf nach hinten verschoben. Wie in den anderen Monsunregionen auch, wäre mit weniger Niederschlägen zu rechnen. Trockenzeiten würden länger und Regenzeiten kürzer, wobei die Intensität regional unterschiedlich ausgeprägt sein kann (Ben-Yami u. a. 2024). Die Trockenzeit ist für tropische Regenwälder generell eine kritische Zeit, weil die Pflanzen dann Wasserstress haben und anfälliger sind für störende Einflüsse, wie zum Beispiel Dürren (Flores u. a. 2024). Dadurch werden die Wälder weniger produktiv und speichern weniger Kohlenstoff. Weniger Niederschläge und mehr Trockenheit dürften zudem das Niederschlagsrecycling in Amazonien empfindlich stören, was vermehrt zu Waldbränden, Dürren und letztlich zu einer Savannisierung im nördlichen Teil führen dürfte. Sedimentbohrkerne vom Meeresboden aus der Mündung des Amazonas erlauben einen Blick zurück in die Vergangenheit und stützen die Prognose. Vor 25.000 Jahren – es herrschte gerade Eiszeit – war die AMOC schwächer und die Ausdehnung der tropischen Regenwälder im nördlichen Teil Amazoniens geringer als heute (Akabane u. a. 2024).
Der Süden Amazoniens
Im südlichen Teil Amazoniens ist die Sache komplizierter, denn dort liegt mit dem Arc of Deforestation die Region, in der massiv tropische Regenwälder für Viehweiden und Sojaplantagen zerstört werden. Durch die erheblichen Waldverluste wird die Evapotranspiration empfindlich gestört, die regional und überregional zu Niederschlägen und Niederschlagsrecycling beiträgt. In den vergangenen vier Jahrzehnten (1980 bis 2019) gingen deswegen die Niederschläge im südlichen Teil Amazoniens allein durch die Zerstörung der Regenwälder um zehn Prozent zurück (Cui u. a. 2026). Werden die Auswirkungen von Regenwaldzerstörung und Klimawandel kombiniert zeigt sich ein ähnliches Bild. Bis ins Jahr 2050 könnten die Niederschlagsmengen durch diese Kombination um 13,7 Prozent zurückgehen (Zhang u. a. 2026). Zugrunde gelegt wurde dabei das emissionsarme Szenario SSP1-2.6. Die Daten zeigen, dass das regionale Klimasystem im südlichen Teil Amazoniens durch Zerstörung und Klimawandel an Widerstandskraft verliert. Allerdings muss beachtet werden, dass die Auswirkungen großflächiger Abholzungen und Brandrodung in Erdsystemmodellen häufig unterschätzt werden. Der Rückgang der Niederschläge kann deswegen um bis zu 50 Prozent in Erdsystemmodellen unterschätzt werden, was bedeutet, dass den tropischen Regenwäldern Amazoniens, viel früher als bisher prognostiziert, ein erheblicher Verlust drohen könnte (Cui u. a. 2026).
Hilfe von der schwächelnden AMOC
Hilfe kommt von unerwarteter Seite, denn ausgerechnet die schwächelnde AMOC könnte den Rückgang der Niederschläge teilweise ausgleichen (Ciemer u. a. 2021). Durch die AMOC-Schwäche würde der südliche Teil Amazoniens niederschlagsreicher und, anders als im Norden, die Trockenzeit kürzer und feuchter. Das erscheint logisch, weil die schwächere AMOC die ITCZ und damit die Niederschläge weiter über den südlichen Teil Amazoniens schiebt. Beobachtungsdaten und Simulationen mit modernen Erdsystemmodellen zeigen, dass die Schwächung der AMOC zu höheren Niederschlägen im südlichen Amazonien während der kritischen Trockenzeit führen würde, in der die Vegetation besonders vulnerabel ist (Högner u. a. 2025). Ohne die zusätzlichen Niederschläge aus der AMOC-Schwächung, hätten demnach die Niederschläge in der Trockenzeit im Süden seit dem Jahr 1982 um 17 Prozent stärker abgenommen als derzeit beobachtet.
Auch im Osten Amazoniens könnte ein möglicher Zusammenbruch der AMOC für mehr Niederschläge sorgen (Vilela u. a. 2025). Für die tropischen Regenwälder im östlichen Teil Amazoniens, wäre das durchaus positiv, denn sie könnten durch die zusätzlichen Niederschläge stabilisiert werden (Nian u. a. 2023). Tatsächlich scheinen hier zwei gegenläufige Prozesse aufeinanderzutreffen. Einerseits droht den Wäldern im südlichen Teil Amazoniens eine Savannisierung, die direkt durch Abholzung, Brandrodung und Klimawandel hervorgerufen wird (Nobre u. a. 2016). Andererseits führt der Klimawandel indirekt, über den Umweg des schmelzenden Eises in der Arktis, zu einer Schwächung der AMOC, was wiederum mehr Niederschläge in den Süden Amazoniens bringen und dort die tropischen Regenwälder stabilisieren würde. Obwohl unklar ist, wie sich die globale Erwärmung am Ende auf die AMOC auswirkt, könnte sie mit ihrem stabilisierende Effekt den Kipppunkt verschieben, ab dem die tropischen Regenwälder Amazoniens zu Savannen degradiert würden. Ausnahmsweise würde es sich hierbei nicht um eine positive Rückkopplung mit negativen Folgen handeln, sondern um eine negative Rückkopplung mit positiven Folgen und stabilisierenden Effekten zwischen zwei Kippelementen (Högner u. a. 2025).
Unabhängig von der mutmaßlich stabilisierenden Funktion der schwächelnden AMOC und dem unbekannten Zeitpunkt des Kippens, bleiben tropische Regenwälder durch Regenwaldzerstörung und Klimawandel akut gefährdet (Tao u. a. 2022). Im Jahr 2025 wurden weltweit 42.900 km2 tropische Regenwälder zerstört (WRI 2026). Weil ein vollständiger Stopp eher unwahrscheinlich scheint, muss die Zerstörung zumindest verlangsamt werden. Umfassende Wiederaufforstungen und die Regeneration fragmentierter Wälder können das Risiko eines durch den Klimawandel verursachten massiven Waldsterbens in Amazonien ausgleichen oder zumindest die Schwelle anheben, ab der irreversible Schäden an den Wäldern entstehen.

www-Tipps
- Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
- Global Carbon Budget, 2025.
Forschung
- Akabane, T. K. u. a.: Weaker Atlantic overturning circulation increases the vulnerability of northern Amazon forests. Nature Geoscience 17 (2024).
- Baker, J. A. u. a.: Continued Atlantic overturning circulation even under climate extremes. Nature 638 (2025).
- Ben-Yami, M. u. a.: Impacts of AMOC collapse on monsoon rainfall: A multi-model comparison. Earth’s Future 12 (2024).
- Boers, N.: Observation-based early-warning signals for a collapse of the Atlantic Meridional Overturning Circulation. Nature Climate Change 11 (2021).
- Ciemer, C. u. a.: Impact of an AMOC weakening on the stability of the southern Amazon rainforest. European Physical Journal Special Topics 230 (2021).
- Cui, J. u. a.: Historical deforestation drives strong rainfall decline across the southern Amazon basin. Nature Communications 17 (2026).
- Drijfhout, S. u. a.: Shutdown of northern Atlantic overturning after 2100 following deep mixing collapse in CMIP6 projections. En-vironmental Research Letters 20 (2025).
- Flores, B. M. u. a.: Critical transitions in the Amazon forest system. Nature 626 (2024).
- Högner, A. u. a.: Causal pathway from AMOC to Southern Amazon rainforest indicates stabilising interaction between two climate tipping elements. Environmental Research Letters 20 (2025).
- Kraft, L. u. a.: AMOC-forced southward migration of the ITCZ under a warm climate background. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 661 (2025).
- Lenton, T. M. u. a.: The Global Tipping Points Report 2025. University of Exeter, Exeter, UK (2025).
- Marengo, J. A. u. a.: Changes in Climate and Land Use Over the Amazon Region: Current and Future Variability and Trends. Frontiers in Earth Science 6 (2018).
- Marshall, J. u. a.: The ocean’s role in setting the mean position of the Inter-Tropical Convergence Zone. Climate Dynamics 42 (2014).
- Nian, D. u. a.: A potential collapse of the Atlantic Meridional Overturning Circulation may stabilise eastern Amazonian rainforests. Communications Earth & Environment 4 (2023).
- Nobre, C. A. u. a.: Land-use and climate change risks in the Amazon and the need of a novel sustainable development paradigm. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 113 (2016).
- Portmann, V. u. a.: Observational constraints project a ~50% AMOC weakening by the end of this century. Science Advances 12 (2026).
- Rahmstorf, S. u. a.: Exceptional twentieth-century slowdown in Atlantic Ocean overturning circulation. Nature Climate Change 5 (2015).
- Tao, S. u. a.: Increasing and widespread vulnerability of intact tropical rainforests to repeated droughts. Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. 119 (2022).
- Vilela, I. u. a.: AMOC weakening modulates global warming impacts on precipitation over Brazil. npj Climate and Atmospheric Science 8 (2025).
- WRI (World Resources Institute): Tropical Rainforest Loss Slowed in 2025, but Fire is a Growing Threat to Forests Worldwide. Global Forest Review, last updated on April 29, 2026. Washington, DC (2026).
- Zhang, J. u. a.: Climate change amplifies rainfall sensitivity to deforestation in the Southern Amazon. Geophysical Research Letters 53 (2026).