Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Klimawandel als Folge der Regenwaldzerstörung

In der Klimadiskussion zeigt sich, dass die tropischen Regenwälder für das Weltklima heute wichtiger sind denn je. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, dass Waldschutz die einfachste Maßnahme für den Klimaschutz ist. Holz besteht zum größten Teil aus reduziertem Kohlenstoff, von dem der Sauerstoff während der Photosynthese abgespalten wurde. Kohlenstoff, der im Holz gebunden ist, hat keinen negativen Einfluss auf die Erwärmung der Atmosphäre. Ein Regierungssprecher der Bundesregierung hat es im August 2019 so formuliert, dass der Amazonas-Regenwald "von herausragender Bedeutung für Klimaschutz und Artenvielfalt" sei .

Kohlenstoff im brasilianischen Amazonas-Regenwald

In keinem terrestrischen Ökosystem ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in dem verbliebenen Holz der noch vorhandenen Wälder: etwa 530 Milliarden Tonnen. Das sind 82 Prozent allen Kohlenstoffs, der in der Biomasse der Erde (650 Milliarden Tonnen) gespeichert ist.

In einem Quadratkilometer Amazonas-Regenwald sind ungefähr 20.000 Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Thomas Lovejoy, Wissenschaftler der United Nations Foundation, geht davon aus, dass in den Regenwäldern am Amazonas eine Menge von 90 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert ist. Zum Vergleich: Unsere einheimischen Wälder speichern nur etwa 12.000 Tonnen Kohlenstoff pro Quadratkilometer. Die gesamte deutsche Waldfläche bindet etwa 1,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff.

Derzeit werden schätzungsweise 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Atmosphäre freigesetzt (emittiert). Carlos Nobre, Klimaforscher an der Universität von Sao Paulo, geht davon aus, dass die Regenwälder am Amazonas zwecks Photosynthese jährlich rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen (absorbieren), was immerhin fünf Prozent der jährlichen Emissionen entspricht. Die Atmosphäre enthielt im Oktober 2019 etwa 408 ppm (parts per million) Kohlendioxid, gemessen auf Hawaii von NOAAs Mauna-Loa-Observatorium. Das Verbrennen der Regenwälder am Amazonas würde diesen Wert um 38 ppm erhöhen, so Thomas Lovejoy. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 wurden 325 ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre gemessen.

Brandrodung – doppelt schlecht für das Klima

Das bedeutet, durch das Verbrennen der Regenwälder werden einerseits enorme Menge des in der Vegetation gebundenen Kohlenstoffs in die Atmosphäre freigesetzt (mit jedem abgebrannten Hektar tropischen Regenwalds sind das etwa 220 Tonnen Kohlendioxid) und andererseits fehlen die verbrannten Wälder um künftig Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden – ein doppelt negativer Effekt, der verdeutlicht, welch wichtige Rolle die Regenwälder beim Klimaschutz spielen.

Die Brandrodung der tropischen Regenwälder trägt dadurch insgesamt zwischen 10 und 20 Prozent zum weltweiten Treibhauseffekt bei. Studien haben gezeigt, dass 1997 und 1998 bei Waldbränden in Südostasien 15 bis 40 Prozent des weltweit produzierten Kohlendioxids freigesetzt wurden.

Häufig wird bei den Rodungen auch die Bodenflora zerstört. Die Regenwälder auf der Insel Borneo (Indonesien) stehen zu einem großen Teil auf morastigen und sumpfigen Torfböden. Nach der Rodung trocknen diese Böden aus, wodurch ebenfalls große Mengen Kohlendioxid und auch das viel stärkere Treibhausgas Methan freigesetzt werden.

Grafik: Treibhauseffekt

Treibhauseffekt durch Brandrodung: Der UN-Klimarat (IPCC) geht davon aus, dass die Brandrodung der tropischen Regenwälder zwischen 10 und 20 Prozent zum weltweiten Treibhauseffekt beiträgt (Zahlen aus 2009).

Wirtschaftliche Schäden

Experten schätzen den wirtschaftlichen Schaden pro emittierter Tonne Kohlendoxid auf 20 Dollar. Durch die Umwandlung eines Hektars tropischen Regenwaldes zu Ackerland, ergibt dies einen Schaden von 600 bis 4000 Dollar pro Hektar. Umgekehrt bedeutet dies: Die Funktion der Regenwälder als Kohlendioxidspeicher bringt einen höheren Ertrag als jede andere Form der Bewirtschaftung.

Bei einem von der FAO (Food and Agriculture Organization, Welternährungsorganisation der UNO) angenommenen jährlichen Verlust tropischer Regenwälder von 120.000 Quadratkilometern ergibt dies einen Schaden zwischen 9 und 60 Milliarden Dollar Jahr jährlich. Unglaubwürdig? Nicht, wenn man an die Milliarden-Schäden der Jahrhundertflut in Deutschland im August 2002 denkt!

Agrartreibstoffe und Klimawandel

Bei der Produktion von Agrartreibstoffen entstehen Treibhausgase, die zur Erwärmung der Atmosphäre beitragen. Zwar entziehen die Pflanzen der Luft während des Wachstums Kohlendioxid, doch wird für die Düngung der Felder sehr viel Stickstoff eingesetzt.

Übermäßig viel Stickstoff wird im Boden zu Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) umgewandelt, das über die Jahre hinweg ein etwa 300-mal so starkes Treibhausgas ist wie Kohlendioxid. Besonders schlecht schneiden brasilianischer Agrardiesel aus Soja und amerikanisches Agrarethanol aus Mais ab.

Lachgas als Treibhausgas

Neben Kohlendioxid zählen auch Methan und Lachgas zu den Treibhausgasen. Diese Gase besitzen die Eigenschaft, dass sie das von der Erde reflektierte Sonnenlicht absorbieren, was wiederum zur oben genannten Erderwärmug führt. Der Anteil von Lachgas am Treibhauseffekt soll zwar nur sechs Prozent betragen, aber Lachgas wirkt 296-mal stärker als Kohlendioxid.

In einer Studie von P.J. Crutzen aus dem Jahr 2008 konnte gezeigt werden, dass Ethanol aus Weizen und Mais viel schädlicher für das Klima sind als fossile Brennstoffe. Warum? Weil ein Teil des Düngers vom Regen ausgewaschen und anschließend in Lachgas umgewandelt wird. Für amerikanisches Agrarethanol berechneten die Wissenschaftler einen Beitrag zur Erderwärmung, der 50 Prozent über dem von fossilen Treibstoffen liegt.

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